Neuheiten

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T. C. Boyle – Die Terranauten

In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen? T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch basiert auf einer wahren Geschichte.

 

 

Paul Auster – 4321

Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls.

‚4 3 2 1‘ – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. „Was für ein interessanter Gedanke“, sagt er sich als kleiner Junge, „sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte.“
Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals …
‚4 3 2 1‘ ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen.

 

 

Bernhard Aichner – Totenrausch

Blum – von der Rache nehmenden Witwe zur Auftragsmörderin?Ein Neuanfang in Hamburg. Ein Haus in einem der schönsten Viertel, Arbeit für Blum, neue Pässe für sie und die Kinder. Blum weiß, dass die Idylle trügt. Dass sie die Morde, die sie begangen hat, nicht ungeschehen machen kann. Und Schiele irgendwann auf ihren Deal zurückkommen wird. Dass sie ihre Schuld begleichen und jemanden für ihn töten muss. Leichtsinnig und naiv hat sie ihr Schicksal in die Hände des unberechenbaren Hamburger Zuhälters gelegt, als da kein anderer Ausweg auf der Flucht mehr war.

Wozu die Bestatterin Blum fähig ist, hat Bernhard Aichner bereits in „Totenfrau“ und „Totenhaus“ gezeigt, als er den Rachefeldzug der liebevollen Mutter und trauernden jungen Witwe temporeich inszenierte. Grausig und brutal geht es in den Thrillern des Tirolers zu, wenn Blum – durch ihr „Handwerk“ routiniert im Umgang mit Leichen – die von ihr Ermordeten entsorgt. Das Verstörendste ist aber wohl, dass man Sympathien für diese verletzte Frau hegt. Das gelingt Aichner mit einer emotional aufgeladenen Prosa, die einem nahe gehen, einem unter die Haut kriechen will. Denn Blum ist auch Opfer und bis zu einem bestimmten Grad kann man verstehen, wie all das einfach passiert. Wie die Grenzen verschwimmen, als Blum erfährt, dass ihr Mann einem bestialischen Verbrechen auf der Spur war und deshalb sterben musste. Wie Mord und Vergeltung zum Ventil für Blums Schmerz werden.

Es ist ein Leichtes, sich von den knappen Sätzen, die die Handlung rasant vorantreiben und gleichzeitig einen ganz eigenen Sound entwickeln, mitreißen zu lassen. Dieser stakkatoartige Stil, der hervorragend zu dem sich verselbständigenden Rachefeldzug der entfesselten Blum in „Totenfrau“ passt, wirkt nun aufgesetzt. Und dass die toughe Blum in absolut jeder Situation die Männerwelt betört, wissen wir mittlerweile auch schon. Ob alles gut wird, wie sich Blum mantraartig vorsagt, sei hier selbstverständlich nicht verraten – nur so viel: Aichner hat viele überraschende Wendungen parat, die die Spannung aufrechterhalten und das Ende für mich weniger vorhersehbar machten als bei den Vorgängerromanen.

Insgesamt kommen die Fortsetzungen für mich nicht an „Totenfrau“ heran – der Vollständigkeit halber sollte man Teil 2 und 3 aber ebenfalls in der Bibliothek einstellen. Nachgefragt werden die Bestseller mit Sicherheit und unterhaltsamer Lesestoff sind sie sowieso! (biblio.at)

 

 

Marjane Satrapi – Persepolis

persepolisAutobiographischer Comic aus der Perspektive eines Mädchens nach der islamischen Revolution im Iran (ab 14)

Ein Mädchen erzählt von Unterdrückung und Gewalt. An einen Comic denkt man dabei zuletzt. Doch die 1969 in Teheran geborene Grafikerin und Illustratorin Marjane Satrapi zeigt mit ihrem vielfach ausgezeichneten Comic „Persepolis“, dass sich dieses Genre, das für harmlos-lustige Bildergeschichten reserviert scheint, auch ganz hervorragend für Gesellschaftskritik aus autobiografisch-literarischer Perspektive eignen kann.

Satrapis „Comic-Autofiction“, wie sie es selber nennt, ist im Original in Frankreich erschienen, der Wahlheimat der Autorin. Dort wurde das Buch zum Bestseller und bald darauf in mehrere Sprachen übersetzt. Auf Deutsch sind die ersten beiden Bände „Eine Kindheit im Iran“ und „Jugendjahre“ in der Edition Moderne erschienen. Band 1 liegt jetzt als Taschenbuchausgabe bei Ueberreuter vor, und diese preisgünstige, schlabbrige Variante trägt hoffentlich dazu bei, dass der Comic von Jugendlichen gekauft und gelesen wird.

In schlichten, stilistisch ganz zurückgenommenen Schwarz-Weiß-Bildchen erzählt Satrapi aus der Sicht eines Mädchens namens Marji, was nach dem Sturz des Schah-Regimes 1979 im Iran geschah. Kopftuchzwang schon für Schulmädchen, Schließung zweisprachiger Schulen, strikte Trennung der Geschlechter sind die ersten Folgen eines Regimes, das Menschen, unter ihnen auch Marjis Onkel Anusch, aus politischen Gründen foltert und hinrichtet. Marji, einzige Tochter linksintellektueller Eltern, begehrt früh gegen die Einschränkung ihrer Freiheit und der anderer auf.

Die naiv anmutenden Bildchen, mit denen Satrapi die bitteren, aber niemals verbittert geschilderten Erfahrungen ihrer Heldin illustriert, stehen in wirkungsvollen Kontrast zu drastischen Ereignissen wie der Bombardierung Teherans mit Scud-Raketen, die in Marji und ihren Eltern wiederum patriotische Gefühle aufkommen lassen. Im Gegensatz zu dieser von außen kommenden Gewalt stehen die inneren Zwänge und Repressalien. So wird Marjis Mutter eines Tages übel von zwei bärtigen Männern beschimpft: „Sie sagten, Frauen wie mich sollte man auf der Straße durchficken und dann auf dem Müll schmeißen.“ Als Konsequenz aus Ereignissen wie diesen beschließen die Eltern, Marji im Alter von 14 Jahren allein auf eine französische Schule nach Wien zu schicken. Auf dem letzten Bild trägt der Vater die ohnmächtig gewordene Mutter aus der Abflughalle des Teheraner Flughafens. Sein Gesicht ist ganz und gar schwarz.

 

 

Bernhard Aichner – Totenfrau

Totenfrau von Bernhard AichnerBlum, zweifache Mutter und Bestatterin, wird nach dem Tod ihres Mannes zur gnadenlosen Rächerin. (DR)

Blum, Adoptivtochter eines Bestattungsunternehmerehepaares, durchlebt eine Kindheit ohne Liebe, Zuwendung oder Fürsorge. Stattdessen wird sie zur Mithilfe im elterlichen Unternehmen genötigt, keine Tätigkeit bleibt ihr erspart. Dies hinterlässt tiefe Spuren in der kindlichen Seele. Kaltblütig rächt sie sich für diese gestohlene Lebenszeit. Dass sie bei dieser Gelegenheit die Liebe ihres Lebens kennenlernt und mit ihm Jahre des Glücks durchlebt, scheint sie für die Entbehrungen zu entschädigen. Doch dann stirbt ihr Mann bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht. Durch Zufall stößt sie auf Tonbandaufzeichnungen einer jungen Frau, die ihrem Mann von einem unglaublichen Martyrium erzählte und ihn um Hilfe bat. Somit erscheint der Unfall in einem ganz neuen Licht…

Kurze Sätze und spärliche Dialoge prägen den Schreibstil von Bernhard Aichner. Die Geschichte hat mich persönlich nicht gefesselt, überraschende Wendungen, die Spannung aufbauen hätten können, fehlten – der Verlauf war leicht vorhersehbar. Die Schilderungen des Leidensweges der jungen Frau sind unnotwendig brutal, die Geschichte ist in ihrer Gesamtheit nicht glaubwürdig – für mich fehlt damit ein weiteres wichtiges Kriterium eines guten Thrillers.

Ungeachtet dessen werden viele LeserInnen interessiert sein, sich selbst ein Bild zu machen – gerade da dieses Buch des österreichischen Autors zur Zeit viel beworben und gelobt wird.

 

 

Bernhard Aichner – Totenhaus

Totenhaus von Bernhard Aichner

Im zweiten Band rund um die Bestatterin Blum muss sich diese mit ihrer toten Zwillingsschwester und deren Adoptivfamilie auseinandersetzen. (DR)

Die als Kind von einem Bestatterehepaar adoptierte Brünhilde Blum, selbst als Bestatterin in Innsbruck tätig, ist nach dem Tod ihres über alles geliebten Mannes Mark alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Mädchen. Während eines Urlaubs am Meer entdeckt sie in einer Zeitschrift das Foto einer toten Frau, die ihr bis aufs Haar gleicht. Entsetzt macht sie sich auf die Suche. Hatte sie etwa eine Zwillingsschwester, die damals von einer anderen Familie adoptiert wurde? Unterdessen werden auf einem Innsbrucker Friedhof zwei Leichen in einem Sarg gefunden, wo eigentlich nur ein Toter liegen sollte. Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus und der Verdacht fällt schnell auf die damalige Bestatterin Blum, die sofort zur Fahndung ausgeschrieben wird. Während die Polizei nach ihr sucht, kommt Blum der Geschichte ihrer toten Schwester immer näher. So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Wie im ersten Band („Totenfrau“) wird die lieblose Kindheit bei ihren Adoptiveltern kontinuierlich thematisiert und Blum verfällt bei diesen Gedanken in ein für die LeserInnen zusehends ermüdendes Lamento. So liest sich der Thriller aufgrund der oft sehr verkürzten Sätze an vielen Stellen wie ein innerer Monolog der Protagonistin. Auch die sehr knapp gehaltenen Dialoge tragen zu diesem Eindruck bei. Zwischen der eigentlichen Geschichte denkt die Protagonistin außerdem immer wieder mit viel Wehmut an ihren verstorbenen Mann.

Wer einen packenden Thriller mit spannenden Überraschungsmomenten erwartet, ist mit dieser Geschichte wohl falsch bedient. Der Autor versucht sich zwar an unerwarteten Wendungen, diese wollen ihm aber nicht so ganz gelingen und bleiben vorhersehbar. Einzig die ruhelose Atmosphäre des Buches, die durch die Flucht Blums vor der Polizei entsteht, garantiert ein atemloses Gefühl beim Lesen.

Österreichische Bibliotheken werden den Thriller mit Österreich-Bezug sicherlich anbieten wollen. Einmal lesen reicht und die LeserInnen können sich selbst ein Bild von dem von vielen hoch gelobten Autor machen, dessen Werk „Totenfrau“ sogar ins Koreanische übersetzt wurde.

 

 

Sebastian Fitzek – Das Joshua-Profil

joshuaEin Computerprogramm sieht eines der grausamsten Verbrechen voraus, das bald geschehen wird, angeblich ausgeführt von einem liebenden Ehemann und Vater. (DR)

Joshua, ein Programm zur Verbrechensvorhersehung, sieht voraus, dass Max Rhode, ein bisher unbescholtener Thriller-Autor, Ehemann und Pflegevater von Jola, ein grausames Verbrechen begehen wird. Max wird gewarnt, kann dies aber zuerst nicht glauben. Als bald darauf Jola ohne die geringste Spur verschwindet und auch noch das Jugendamt vor der Tür steht, das Jola zu ihren leiblichen Junkie-Eltern zurückbringen will, brennen Max die Sicherungen durch. Kurzerhand stiehlt er ein Auto. Wie blöd, dass die Fahrerin noch am Steuer sitzt. Anfänglich noch voller Wut auf ihren Kidnapper, erkennt auch sie rasch die Gefahr, in der sich Max und Jola befinden, und beginnt, ihnen zu helfen. Auch Max‘ Bruder Cosmo stößt zu ihnen und unterstützt sie im Kampf gegen die Leute hinter „Joshua“. Einziger Haken: Cosmo ist ein verurteilter Pädophiler, der eigentlich im Hochsicherheitsgefängnis sitzen sollte. Warum hat er Max ausgerechnet jetzt, nach so vielen Jahren, in denen Funkstille herrschte, aufgesucht? Hat er etwas mit dem Verschwinden von Jola zu tun? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Wer Fitzek erwartet, ist mit diesem Buch gut bedient. Kaum glaubt man, das Rätsel entwirrt zu haben, wendet sich die Handlung abermals. Die Darstellung der Figuren ist ein wenig dünn geraten, das „Böse“, das in Cosmo zu schlummern scheint, kommt nicht so recht durch und überzeugt nicht ganz und auch die schlussendliche Auflösung ist etwas aus dem Hut gezaubert.

Interessantes Detail am Rande: Den im Roman erwähnten und zitierten Bestseller aus der Feder der Hauptfigur Max Rhode gibt es wirklich. Fitzek hat ihn unter dem Pseudonym Rhode verfasst, beide Thriller sind im Oktober 2015 erschienen, die Rezension dazu findet sich ebenfalls in dieser bn-Ausgabe.

Fazit: Ein spannender Thriller, der den gewohnt guten Schreibstil Fitzeks garantiert, manchmal allerdings hinter den vielleicht zu hohen Erwartungen zurückbleibt.

 

 

Jonas Jonasson – Die Analphabetin, die rechnen konnte

analphabetinKönigin und Analphabetin

Alan Bennetts Liebeserklärung ans Lesen, „Die souveräne Leserin“, führt zuerst einmal zu einem Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster, der zufälligerweise in einem der Höfe des königlichen Palastes parkte. Die Queen of England folgte ihren Hunden und traf im Bücherbus nicht nur einen überaus dezenten Bibliothekar, sondern auch noch einen jungen Mann, der hier saß und las. Höflichkeit ist eine Königstugend, doch die höfliche Geste des Ausleihens eines Romans verändert die Queen, ihre Gespräche und ihre Einstellung zu den Menschen. „Und welches Buch lesen Sie gerade?“ – Diese Frage ordnet die Herrschaftsverhältnisse im Palast neu und belebt nicht nur das altehrwürdige Gemäuer. Jane Austen, Dostojewski oder auch Texte zum Feminismus öffnen der Queen neue Welten, sie will vertane Zeit aufholen, endlich mit Interesse die Tage füllen, Fragen stellen und auf Floskeln verzichten. Diese neue Weltsicht verwirrt die Hofschranzen, fördert neue Intrigen und lässt dennoch alle Ränkespiele ins Leere laufen: Die Queen, die in den Bücherbus stieg und zu lesen begann, regiert mehr denn je. Diese Leichtigkeit, mit Ironie sanft aromatisiert, schien bisher unübertreffbar, das Buch wurde zum offenen Geheimtipp. Bis dieser Jonas Jonasson, der bereits mit seinem

Romanerstling „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ jede Bestenliste erklomm, nun seinen Zweitling „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ vorlegte. Er beginnt im Slum von Soweto/Südafrika und präsentiert eine dem Schicksal trotzende Heldin. Ob sie zu Beginn ihrer Odyssee zwölf oder doch schon 14 Jahre alt ist, will später niemand mehr ermitteln, sie geht einfach ihren Weg. Bald wird sie Chefin der Latrinenleer-Truppe und vertreibt sich während dieser Schwerarbeit trübe Gedanken mit komplizierten Rechnungen. Dass sie bald einen kauzigen Alten trifft, der ihr nicht nur Geschichten erzählt, ist ihr Glück und dessen Untergang. Die Geschichte des Mädchens, das Dank seiner Begabung politische Beraterin in Südafrika und später Hüterin einer Atombombe wird, führt über viele Prüfungen zum glücklichen Ende. Ohne Kitsch, ganz im Sinne des klassischen Schelmenromans, deckt die Protagonistin Nombeko Mayeki Intrigen auf, lässt sich lieber als Putzfrau ausnutzen, als in Freiheit töten und träumt manchmal noch von der Liebe.

 

 

Alek Popov – Schneeweißchen und Partisanenrot

popov_praesi.inddEine Politsatire? – Widerstand gegen die Macht und die Machtlosigkeit im Sog der Geschichte. (DR)

Die Zwillinge Kara und Jara, beide besuchen das Gymnasium in Sofia, entschließen sich aus ideellen Gründen, 1941 den bulgarischen Partisanen beizutreten. Sie verlassen ihr bequemes geschütztes Zuhause und stürzen sich in ein ungewisses Abenteuer, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Trotz ihres mutigen Einsatzes im Kampf und den harten Umgang der Genossen mit ihnen, den sie widerstandslos akzeptieren, werden sie der Spionage verdächtigt. Nicht nur dem feindlichen Hauptmann ist ihre bürgerliche Herkunft ein Dorn im Auge, sondern auch den eigenen Kameraden. Sie flüchten und werden getrennt, erst Jahre später sehen sie sich wieder.

Ein starkes Buch! Berührend, beklemmend und ernüchternd. Wahrheit oder Fiktion? Geschichte oder Gegenwart? Fragen bleiben offen. Der Autor erzählt von menschlichen Abgründen, die global unser Weltbild umspannen. Mit Leidenschaft und Schonungslosigkeit schildert er die Grausamkeit und die Verlogenheit der Mächtigen, um die Masse des gutgläubigen Volkes gefügig zu machen. Verblendung und Vernachlässigung des sozialen Gewissens treiben junge, naive und leicht formbare Menschen in den Abgrund. Ihr Glauben an ein gutes, gerechtes und menschenwürdiges Leben wird schamlos ausgenutzt.

Die oft absurd anmutenden Darstellungen des Autors scheinen dennoch wirklichkeitsnah und authentisch. Die tragikomischen Elemente lassen einem das aufkommende Lächeln nicht allzu breit werden und zugleich Zusammenhänge zwischen Leben und dem „nackten“ Überleben schnell erkennen. Ein spannender Politthriller, in dem es keine Gewinner gibt. Der Schreibstil wirkt leicht und unbeschwert, der Roman ist dadurch auch für junge LeserInnen bestens geeignet.

 

 

Marc Elsberg – Helix

helixEin Internetaktivist zeigt der Welt, dass die totale Überwachung und Manipulation durch die elektronischen Medien eine reale Bedrohung darstellt. (DR)

Der Präsident der Vereinigten Staaten wird auf einer Veranstaltung durch ferngesteuerte Drohnen angegriffen. Die Drohnen sind zwar nicht mit Waffen, dafür aber mit Kameras ausgestattet, die live die Bilder eines hilflosen und verängstigten Präsidenten nebst Bewacher ins Internet übertragen. Die Aktion wird vom Internetaktivisten „Zero“ durchgeführt. Er möchte die Menschheit wachrütteln und die Bedrohung, die von den modernen Medien ausgeht, aufzeigen. Die Reporterin Cynthia Bonsant wird auf die Zero-Story angesetzt, ihr Chef rüstet sie dafür mit einer Datenbrille aus. Mit deren Hilfe können Daten über Orte und Personen mittels Gesichtserkennungssoftware sofort online abgerufen werden – unbemerkt für jeden anderen. Als ein Freund von Cynthias Tochter in London erschossen wird, während er mit Cynthias Datenbrille auf Verbrecherjagd geht, beginnt die Journalistin zu recherchieren.

Ihre Nachforschungen führen sie zu der äußerst erfolgreichen Internetplattform Freemee, die ihren Usern einen Ratgeber für alle Lebensbereiche bietet. Er animiert zu mehr Sport, hilft bei der Karriereplanung, in der Schule und fungiert als Stylingberater. Das Konzept funktioniert. Sogar Cynthias Tochter hat sich mit Hilfe dieser Software von einer Gothic-Braut zur „normalen“ und erfolgreichen Schülerin gewandelt. Doch die Journalistin erkennt schnell die Gefahr, die von dieser Software ausgeht: Die Menschen werden durch die hinterlegten Algorithmen beeinflusst und in jede gewünschte Richtung hin manipuliert, der Handel mit persönlichen Daten ist ein Milliardengeschäft. Diese Erkenntnis bringt die Reporterin in große Gefahr und macht sie zur Gejagten. Ein Entkommen scheint unmöglich in einer Welt voller Datenbrillen, Smartphones und Überwachungskameras. Trotzdem macht sie sich daran, die wahren Ziele von Freemee aufzudecken und riskiert dabei ihr Leben und das ihrer Freunde und Familie.

Dieser äußerst spannende Roman im Stil von George Orwells „1984“ regt zum Nachdenken über die Nutzung und Bereitstellung von persönlichen Daten im Internet an. Die dabei beschriebenen technischen Voraussetzungen sind bereits Realität. Smartphones mit ständiger GPS-Standortüberwachung durch unbemerkt im Hintergrund laufender Software, Datenbrillen, Gesichtserkennungssoftware und vieles mehr sind heute in der ersten Welt beinahe flächendeckend im Einsatz. Lediglich die Ratgeberprogramme sind heute noch nicht so ausgefeilt wie im Roman beschrieben – die Frage ist nur: Wie lange noch? Sehr zu empfehlen.

 

 

Donna Tartt – Der Distelfink

Der Distelfink von Donna Tartt

Fesselnder amerikanischer Gegenwartsroman, in dessen Angelpunkt das Meisterwerk eines niederländischen Malers steht. (DR)

Die als öffentlichkeitsscheu geltende und sehr zurückgezogen lebende amerikanische Erfolgsautorin Donna Tartt hat ihre Fangemeinde zehn Jahre lang auf ihren nächsten Roman warten lassen. Aber jetzt ist er da – über 1000 Seiten stark, gleich auf allen Bestsellerlisten zu finden und mit dem Pulitzer-Preis gewürdigt. In der Ich-Form und weitgehend chronologisch erzählt der Protagonist Theo Decker von seinem Leben ab jenem Schicksalstag, als seine geliebte Mutter und engste Bezugsperson bei einem Terroranschlag in einem New Yorker Museum ums Leben kommt und er selbst mit viel Glück überlebt. Ein sterbender alter Mann übergibt ihm einen Ring und bittet ihn, ein ebenfalls unversehrtes Bild – den „Distelfink“ des Rembrandtschülers Fabritius – aus dem Schutt zu retten. Dieser meisterhaft gemalte, wissend dreinblickende kleine Vogel mit einer Fußfessel begleitet und bestimmt ab nun das weitere Leben des zum Zeitpunkt des Unglücks dreizehnjährigen Theo, der zuerst für zwei Jahre bei einer vornehmen New Yorker Familie unterkommt und dann dem plötzlich aufgetauchten spiel- und alkoholsüchtigen nichtsnutzigen Vater nach Las Vegas folgen muss. Der Gesellschaftsroman wandelt sich ab dieser Station immer mehr in einen Gangster- und Kriminalroman bis zum großen Showdown in Amsterdam.

Die besondere Faszination von Donna Tartts Stil liegt in der intensiven, sinnlichen Beschreibung der Charaktere und der extremen Stimmungen, etwa vom Glück beim Betrachten eines Bildes oder der Restauration alter Möbel bis zur flirrenden Heiß-Kalt-Erfahrung beim Konsum härtester Drogen und der Verzweiflung traumatisierter Kinder. Ein großes Leseerlebnis!

 

 

Hans Platzgumer – Der Elefantenfuß

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25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl begegnen sich Überlebende und Menschen aus dem Westen in der verstrahlten Zone. (DR)

Das Gebiet um den Reaktor von Tschernobyl ist auch 25 Jahre nach der Katastrophe weiträumig, aber unregelmäßig hoch verstrahlt. Die Gefahren sind bekannt und werden dennoch nicht von allen Menschen beachtet und gefürchtet. Einige sind in die Zone zurückgekehrt: Igor, ein ehemaliger Energetiker des Kernkraftwerks, betreibt einen kleinen Laden, beschäftigt sich aber hauptsächlich mit kosmologischen Betrachtungen. Alexander befand sich zum Zeitpunkt der Explosion am Bauernhof seiner Großeltern und wurde verstrahlt. Nun ist er wieder zurückgekommen, hat ein grauenvolles Experiment an sich vorgenommen und läuft jeden Tag etliche Kilometer, als müsste er für einen Marathon trainieren. Auch Menschen aus dem Westen fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen von Tschernobyl angezogen: Phillipe und Soraya aus Genf machen sich im Sommer 2011 auf den Weg, weil sie davon überzeugt sind, an diesem Ort ein intensives Gotteserlebnis zu erfahren. Während Phillipe den Reaktor immer enger umkreist und Soraya stundenlang allein lässt, kann diese ihre Panik nur mit starken Psychopharmaka in Schach halten.

Eine unheilschwangere Atmosphäre lastet über der Landschaft und Tschernobyl erscheint als das, was es möglicherweise auch ist: der gefährlichste Ort der Welt, in dessen Zentrum sich der so genannte Elefantenfuß befindet, ein Konglomerat erstarrten Plutoniums, angereicherten Urans und ausgebrannter Brennstäbe.

Die Reaktorexplosion von Tschernobyl hat sowohl in der Natur als auch beim Menschen verheerende Auswirkungen hinterlassen. Platzgumer hat diese Veränderung unglaublich intensiv in seinem Roman, in dem die Protagonisten wie Untote agieren, wiedergegeben. In deren Wahnideen und psychotischen Abstürzen spiegeln sich die Folgen der Katastrophe, die auch als Rache der zerstörten und vergewaltigten Natur interpretiert werden kann. Ein verstörender, wichtiger Roman, der als eindringliche Warnung gerade nach dem Unglück von Fukushima besonders nachdrücklich empfohlen wird.

 

 

Flix – Don Quijote

flix-donNach seiner erfolgreichen Faust-Adaption gelingt Flix wieder eine hinreißend komische Mischung aus Klassiker und Popkultur, Slapstick und Tragik. Da kämpft der schrullige, alte Don Quijote gegen die Errichtung eines Wind(mühlen)parks und hält die Vertreter der Investoren tatsächlich für Raubritter. Langsam bemerkt der Leser, dass Don die Realität entgleitet, dass er an Alzheimer erkrankt. Nur sein Enkel Robin nimmt ihn so wie er ist. Er hält sich schließlich selbst auch für einen Ritter, für Batman – the Dark Knight.

 

 

Flix – Faust

flix-faustFlix ist zweifellos einer der produktivsten und kreativsten deutschen Zeichner der Gegenwart. Kaum hatte er die Arbeiten an seinem deutsch-deutschen Werk DA WAR MAL WAS… abgeschlossen, begann er, für die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen klassischen Dramenstoff umzusetzen: den FAUST von Goethe. Die Rahmenhandlung, der Wettstreit zwischen Gott und Mephisto, ist geblieben, doch Heinrich Faust ist Student vieler Fächer und… Taxifahrer in Berlin. Die vorliegende Graphic Novel enthält die komplette Geschichte in überarbeiteter Form und bietet sowohl für FAUST-Liebhaber als auch für Comic-Fans eine vergnügliche Lektüre.

 

 

Tex Rubinowitz – Irma

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Eine Pop-Roman-Biografie. (DR)

Tex bekommt eines Tages eine rätselhafte Facebook-Nachricht von seiner ehemaligen platonischen Geliebten Irma. Diese Nachricht nimmt er zum Anlass, sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen, untermalt von zahlreichen Musik-, Kunst- und Filmzitaten. Der Protagonist trägt denselben Namen wie der Autor und dieser spielt auch mit diesem Faktum. In zwei Kapiteln diskutiert Tex mit einem Lektor über das Buch. Eine Spezialität des Protagonisten ist es außerdem, Informationen zu sammeln, die sonst niemand kennt, und dann im richtigen Moment anzubringen. Er hat zahlreiche Liebschaften und sonstige Erfahrungen mit Frauen und Männern – keine jedoch von Dauer. Irma ist nicht die einzige Frau, die ihm Facebook-Nachrichten schickt. Er erfährt so auch die Geschichten anderer Ehemaliger.

Der Roman ist ein Wirbel aus Musik und durchzechten Nächten, Sex und enttäuschenden Beziehungen, die der Protagonist aber mit Humor nimmt. Er selbst bezeichnet sich als gefühlsimmun und tatsächlich weist er als Erzähler eine ziemlich neutrale Position auf, obwohl er allerlei intime Details preisgibt. Eine Besonderheit des Romans sind die Frauenporträts, gezeichnet von Max Müller, auf die in zahlreichen Kapiteln verwiesen wird. Tex Rubinowitz (der Echte) bekam 2014 für einen Ausschnitt aus diesem Buch den Bachmann-Preis verliehen.

 

 

Silja Ukena – Der Eismann

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Zwei einsame alte Männer sind auf ähnliche Art und Weise grausam ermordet worden: Mund und Augen verklebt, in vertrackter Weise nackt an einen Sessel gefesselt, auf dem sie an Unterkühlung qualvoll und langwierig gestorben sind. Hauptkommissar Kahn vom LKA 1 in Berlin Tiergarten, als Hüne ein wenig schwerfällig und in seiner Ermittlungsarbeit eher auf seinen Instinkt als auf moderne Profilermethoden vertrauend, wird assistiert von der jungen, unkonventionell und forsch auftretenden Laura Conti, die seiner Mordkommission neu zugeteilt worden ist. Zum ermordeten weltläufigen Bankmanager und zu dem in seiner Gartenlaube zur Eismumie erstarrten alten Hobbygärtner gesellt sich noch ein weiterer seltsamer Todesfall: Eine früher gefeierte Sängerin ist aus dem Fenster ihrer vornehmen Wohnung gestürzt oder gestoßen worden. Dass zwischen diesen drei Toten, die aus der gleichen Generation stammen, ein Zusammenhang besteht, findet Kahn bald heraus. Meist zu Fuß in verschiedenen Stadtteilen des winterlichen Berlins unterwegs, kontaktiert er u. a. einen befreundeten Journalisten, eine Musikerin und eine Historikerin mit Schwerpunkt Geschichte der DDR und wird schließlich mit dem dunklen, sehr grausamen Kapitel der Stasi-Machenschaften konfrontiert.

Kräftiges Berliner Lokalkolorit und die jüngere Vergangenheit Ostdeutschlands bilden die Grundierung dieses soliden Krimis, der geradlinig und plausibel von der Aufklärungsarbeit eines originellen Polizisten erzählt. Gut lesbar und spannend!

 

 

Peer Martin – Sommer unter schwarzen Flügeln

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Calvin, ein in Neonazikreisen verkehrender junger Erwachsener, setzt sich mit seinen Freunden für ein „befreites“ Deutschland ein. Calvins Weltanschauung beginnt jedoch zu wanken, als er Nuri, eine aus Syrien Geflohene, kennenlernt. Ihre Lebensgeschichte fesselt und berührt ihn. Was sie in Syrien erlebt hat, schockiert ihn und bringt ihn zum Hinterfragen seiner eigenen Anschauungen. Calvin und Nuri suchen die gegenseitige Nähe, was allerdings beide in eine gefährliche Lage bringt. Sowohl Calvins Freunde als auch Nuris Verwandte scheuen die gewaltvolle Auseinandersetzung nicht.

Peer Martin verpackt die Flüchtlingsthematik in die Geschichte zweier Jugendlicher. Dabei lässt er nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Flüchtlinge zu Wort kommen. Die Aktualität und Realität schockieren und machen nachdenklich, da der Roman nicht als rein fiktiv abgetan werden kann. Stufenweise können die LeserInnen die Verschärfung der Situation mitverfolgen – bis hin zu einer verheerenden Eskalation. Am Beginn jedes Kapitels werden thematisch anknüpfende Zitate angeführt, am Ende gibt es Vorschläge für eine Internetrecherche. Im Zuge der Handlung werden kulturelle, soziale und gesellschaftspolitische Bereiche angeschnitten. – Empfehlenswert.

 

 

Harper Lee – Wer die Nachtigall stört

harper leeDies ist die Neuausgabe eines modernen Klassikers der Weltliteratur: ein packender Roman über Unrecht und Gerechtigkeit, über Rassismus und Fremdheit und ein flammendes Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen.

1960 in den USA publiziert, wurde «Wer die Nachtigall stört…» schnell ein Welterfolg und eroberte die Herzen von Generationen von Lesern im Sturm. Er liegt nun in einer vollständig von Nikolaus Stingl überarbeiteten und mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg versehenen Übersetzung vor.

 

 

Die Kinder des Monsieur Mathieu (DVD)

monsieurmathieuEin schweres Regiment nach dem Prinzip der Bestrafung führt der Direktor eines Internats für schwer erziehbare Jungen im Jahr 1949.

Als der neue Lehrer Clement Mathieu seine Stelle antritt, weht ein frischer Wind durch die kühlen Gemäuer: Mit Musik lockt er die Zöglinge aus ihrer Verschlossenheit und ihrem aggressivem Verhalten.

 

 

Georges Perec – Warum gibt es keine Zigaretten beim Gemüsehändler

perec‚L’infra-ordinaire‘, das unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Gewöhnlichen liegende: so lautet der Originaltitel dieser Sammlung an posthum veröffentlichten Texten Perecs. Nicht die Großereignisse, nicht die unerhörten Begebenheiten sind es, die das Leben ausmachen, sondern: ein toter Vogel. Beton, Ziegelstein, Glas. Eine Hausnummer. Wo jemand, den man flüchtig kannte, einmal gewohnt hat. Hintergrundgeräusche. Und aus den banalen Beobachtungen, belanglosen Niederschriften, pedantischen Bestandsaufnahmen kleinster Veränderungen sprießen und platzen wie stets bei Perec überraschende, schlagend allgemeine, tragikomische, poetische Wahrheiten hervor.

 

 

Julian Barnes – Lebensstufen

barnes»Ein außergewöhnlich intimes und ehrliches Buch über Liebe und Trauer« The Times. Julian Barnes schreibt über die menschliche Existenz – auf der Erde und in der Luft. Wir lernen Nadar kennen, Pionier der Ballonfahrt und einer der ersten Fotografen, die Luftaufnahmen machten, sowie Colonel Fred Burnaby, der zum eigenwilligen Bewunderer der extravaganten Schauspielerin Sarah Bernhardt wird. Und wir lesen über Julian Barnes’ eigene Trauer über den Tod seiner Frau – schonungslos offen, präzise und tief berührend. Ein Buch über das Wagnis zu lieben. »Eines der bewegendsten Bücher, die je darüber geschrieben wurden, was in einem geschieht, wenn man den Menschen verliert, der dem Leben überhaupt einen Sinn verlieh« Tages-Anzeiger »Ein herausragendes Buch« NDR Kultur

 

 

Ursula Ackrill – Zeiden, im Januar

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Siebenbürgen im Winter 1941: Die Siebenbürger Sachsen setzen ihre Hoffnung auf Nazi-Deutschland; von dort erhoffen sie sich Unterstützung und Anerkennung. Denn mit dem rumänischen Staat wollen sie eigentlich nichts zu tun haben, immer noch zehren sie von ihrer Vergangenheit als privilegierte Bewahrer der deutschen Kultur am Außenposten des Habsburger Reichs. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Hauptfigur Leontine Philippi – eine streitbare, alleinstehende, emanzipierte Frau – schreibt an der Chronik des Dorfes, diskutiert mit ihrem langjährigen Bekannten, dem Schularzt Herfurthner, unterrichtet die junge Rumänin Maria, engagiert sich politisch, lebt in der Erinnerung an eine große Liebe. Aus ihren Beobachtungen und Notizen und jenen der anderen Figuren ergibt sich ein vielschichtiges Bild einer multikulturellen Gesellschaft am Scheideweg.

Der Roman ist sehr komplex durch viele Zeitsprünge, durch Andeutungen, durch zahlreiche eingebaute Reflexionen über Geschichte, Identität und Kultur – essayistisch, poetisch, literarisch anspruchsvoll. Nominiert für den Leipziger Buchpreis 2015.

 

 

Lotta Lundberg – Zur Stunde Null

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In jedem Leben gibt es eine Stunde Null: der totale Zusammenbruch und gleichzeitig ein Neuanfang. Drei Frauen aus drei Generationen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben angelangt sind, die vor den Ruinen ihres Lebens stehen. Gibt es für sie noch eine Chance, auch wenn das Schlimmste schon passiert ist? Die Schriftstellerin Hedwig hat ihre Tochter nicht vor den Nazis gerettet, damit sie weiter schreiben konnte. Nun muss sie mit der Schuld leben. Ihr Schicksal spiegelt sich in dem von Isa, einem wütenden jungen Mädchen, dessen Mutter fortgezogen ist, und in dem von Ingrid, die vor der Entscheidung steht, ihren Mann zu verlassen. Lotta Lundberg erzählt von ihren Träumen, Ängsten und Hoffnungen und spannt dabei den Bogen vom Berlin im Jahr 1945 bis ins heutige Schweden.

 

John Williams – Stoner

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„Stoner“ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.

Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen.

„Stoner“ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

 

 

Danilo Kis – Familienzirkus

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In seiner Heimat Jugoslawien zunächst heftig bekämpft, wurde Danilo Kis bald als einer der größten Erzähler der europäischen Nachkriegsliteratur anerkannt. Mit seinem einzigartigen literarischen Werk schrieb er gegen das Vergessen und den Tod an. In seiner Trilogie „Frühe Leiden“, „Garten, Asche“, „Sanduhr“, die er selbst auch „Familienzirkus“ nannte, hat er dem in Auschwitz ermordeten Vater und der Kultur Mitteleuropas ein Denkmal gesetzt. Seine „Enzyklopädie der Toten“, die jetzt endlich in einer Neuübersetzung vorliegt, ist sein bekanntestes Buch geworden. Zu seinem 25. Todestag erscheinen seine wichtigsten Werke in einem Band – eine Einladung, diesen Autor immer wieder und immer neu zu lesen.

 

 

Gordana Kuic – Der Duft des Regens auf dem Balkan

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Der Duft des Regens auf dem Balkan erzählt die Geschichte der sephardisch-jüdischen Familie Salom aus Sarajevo, deren Leben mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine radikale Wendung nimmt. Fünf Frauenschicksale entfalten sich in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche. Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse zwischen 1914 und 1945 machen sich die fünf Töchter – Nina, Buka, Klara, Blanki und Riki – auf die Suche nach Entfaltung und Liebe. Dabei gehen sie, teils ohne Rücksicht auf ethnische und konfessionelle Schranken, neue Wege. Gordana Kuic schildert in ihrem Jahrhundertroman eine für immer verlorengegangene Welt: die Kultur des friedlichen Zusammenlebens von bosnisch-jüdischen, muslimischen, serbisch-orthodoxen und katholischen Gesellschaftsschichten in der vibrierenden Hauptstadt Sarajevo von damals.

 

 

Christian Schacherreiter – Wo die Fahrt zu Ende geht

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Dora und Hannes lernen einander kennen, als sie noch an die Utopie der klassenlosen Gesellschaft glauben. Im studentischen Umfeld der 70er Jahre bahnt sich eine verquere Liebesbeziehung mit Komplikationen an. Die unerwartete Wiederbegegnung nach mehr als dreißig Jahren schwemmt viele Erinnerungen an die Oberfläche, und beide sehen sich mit den ramponierten Idealen ihrer Vergangenheit konfrontiert. Einem sanften Aufglühen ihrer gemeinsamen Geschichte im „Nachsommer der Revolution“ stehen abermals Hindernisse, Verwirrungen und offene Fragen über bislang unbekannte Bedürfnisse entgegen. Sie stören jene Lebensruhe, die Hannes mittlerweile so sehr schätzt. Auf pointierte, unterhaltsame Weise erzählt Christian Schacherreiter Lebensgeschichten, die geprägt sind von der Suche nach Sinnstiftung und Zugehörigkeit.

 

 

Richard Yates – Eine strahlende Zukunft

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Jung, frisch verheiratet und ehrgeizig, versucht Michael Davenport, als Schriftsteller sein Auskommen zu finden. Das große Privatvermögen seiner Ehefrau Lucy will er nicht angreifen, aus Angst, es würde ihn als Künstler korrumpieren. Lucy, unsicher, was von ihr erwartet wird, stürzt sich in die Schauspielerei, die Malerei, um ihrem Leben so einen Sinn zu geben. Doch die Jahre vergehen, die Misserfolge häufen sich, und hinter den hochtrabenden Erwartungen lauert ein Leben in Durchschnittlichkeit. Und dann setzen die Zweifel aneinander ein …

 

 

Michael Cunningham – Die Schneekönigin

cunninghamIn Hans Christian Andersens Märchen »Die Schneekönigin« zerbricht ein Zauberspiegel in tausend Scherben. Trifft ein Splitter einen Menschen im Auge, so sieht er fortan alles um sich herum nur noch hässlich und böse. Wird ein Mensch dagegen im Herzen getroffen, wird es so kalt wie Eis … Michael Cunningham spielt auf brillante Weise, voller Poesie und mit einem guten Schuss Ironie versehen, mit Motiven aus Andersens Märchen. Und während er vor dem Hintergrund eines winterlichen New York eine Welt voll Eis, Schnee und Kälte heraufbeschwört, ist sein Roman in Wahrheit eine Hymne auf den Glauben an die Liebe und das Leben.

Der New Yorker Stadtteil Bushwick liegt jenseits von Brooklyn. In dieser Gegend sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar, die Häuser alt und die Leute nicht ganz so schick. Hier teilen sich die Brüder Tyler und Barrett eine Wohnung mit Tylers großer Liebe Beth, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und um die sie sich beide aufopferungsvoll kümmern. Sie sind in den sogenannten besten Jahren und können es noch nicht ganz glauben, dass sich ihre Träume niemals erfüllen werden: Tyler, ein genialer Musiker, steht immer noch ohne Band und ohne Erfolg da. Aber er wird, das nimmt er sich vor und dafür sucht er sich heimlich Inspiration beim Kokain, das ultimative Liebeslied für Beth komponieren, ja, er wird es ihr bei der geplanten Hochzeit vorsingen … Barrett, fast Literaturwissenschaftler, fast Startup-Unternehmer, fast Lord Byron, verkauft Secondhand-Designerklamotten in Beths Laden und trauert seinem letzten Lover nach, der ihn gerade schnöde per SMS abserviert hat. Als Beth sich wider alle Erwartungen zu erholen scheint, glaubt Tyler umso mehr an die Kraft der Liebe, während der Exkatholik Barrett sich fragt, ob das merkwürdige Licht, das er eines Nachts im Central Park amwinterlichen Himmel sah, nicht doch irgendwie eine göttliche Vision gewesen sein könnte …

 

 

Doris Knecht – Wald

knechtEine Frau allein in einem abgelegenen Haus in den Voralpen: Marian haust primitiv, in unfreiwilliger Autarkie, denn sie hat alles verloren. Früher, in der Stadt, hatte Marian Mode entworfen und lebte gut, dann trieben die Krise und eigene Fehler sie in den Bankrott, zum völligen Rückzug. Aber auch der Versuch, im geerbten Haus wieder zu sich zu finden, wird für Marian zum Überlebenskampf. Mühsam lernt sie, sich zu versorgen, sie fischt, wildert, stiehlt Gemüse und Hühner. Und sie muss sich arrangieren, in neuen Abhängigkeiten: Der reiche Grundbesitzer Franz versorgt sie mit dem Nötigsten – nicht ganz uneigennützig. Im Dorf feindet man die Außenseiterin immer mehr an. Als sie beschimpft und bedroht wird, muss Marian sich den Dingen stellen. Was ist das nun eigentlich mit Franz? Und wie kann sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen? Stückweise enthüllt der Roman Marians Sturz, schnell und unverblümt erzählt er, wie sie sich in ihrem neuen, archaischen Leben zu behaupten lernt. Eine starke, gefallene Frau mit dem Willen zum Neuanfang, und das Dasein auf dem Land als Spiegel einer brüchigen bürgerlichen Welt – in «Wald» findet Doris Knecht nicht nur einen unverwechselbaren Ton, sie erzählt auch auf mitreißende Weise davon, wie es ist, wenn man sein schönes Leben auf einen Schlag verliert.

 

Michael Köhlmeier – Zwei Herren am Strand

koehlmeierWinston Churchill und Charlie Chaplin – zwei Giganten der Weltgeschichte, so unterschiedlich wie nur möglich und doch enge Freunde. Der eine schuf als weltberühmter Komiker das Meisterwerk „Der große Diktator“, der andere führte mit seinem Widerstandswillen eine ganze Nation durch den Krieg gegen Adolf Hitler. Michael Köhlmeier hat mit dem Blick des großen, phantasievollen Erzählers erkannt, was in diesem unglaublichen Paar steckt: die Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Kunst und Politik, Komik und Ernst. Der arme Tramp und der große Staatsmann, in diesem verblüffenden Roman des berühmten Autors aus Österreich erleben sie die Geschichte des Jahrhunderts.

 

 

Richard Flanagan – Der schmale Pfad durchs Hinterland

flanagan»Ein tiefgründiges und bewegendes Meisterwerk über einen verzweifelten jungen Mann in Zeiten des Krieges«, urteilt der Observer. Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt. Richard Flanagans schmerzvoll poetischer Roman erzählt von den unterschiedlichen Formen der Liebe und des Todes, von Wahrheit, Krieg und der tiefen Erkenntnis eines existentiellen Verlusts.

 

 

Steve Sem-Sandberg – Die Erwählten

sem-sandbergAdrian Ziegler, der aus einem sozial und erbbiologisch ‚minderwertigen‘ Elternhaus stammt, wird im Alter von elf Jahren nach Steinhof gebracht. Dort gehen für die Kinder Phantasie und Wirklichkeit ineinander über. Der Anblick des Berges vor dem Fenster weckt bei ihnen die Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht. Adrians Aufsässigkeit, einschließlich einer kurzzeitigen Flucht, lassen ihn sämtliche Stationen dieser Hölle des Nazi-Systems durchlaufen. Er kommt als Anschauungsobjekt in den Vorlesungssaal und schließlich auf die Krankenstation. Dort arbeitet Anna Katschenka, die den Umgang mit Kindern liebt. Doch Loyalität und Treue lassen sie fraglich erscheinende ärztliche Anweisungen strikt befolgen. Sie macht sich dadurch mitschuldig am Leiden und Tod zahlreicher Kinder. Steve Sem-Sandberg gelingt eine eindrucksvolle Schilderung des Lebens über mehr als sechs Jahrzehnte, wie es sich auch am finstersten Ort gestaltet. Adrian Ziegler, der aus einem sozial und erbbiologisch ‚minderwertigen‘ Elternhaus stammt, wird im Alter von elf Jahren nach Steinhof gebracht. Dort gehen für die Kinder Phantasie und Wirklichkeit ineinander über. Der Anblick des Berges vor dem Fenster weckt bei ihnen die Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht.

 

 

Hanna Sukare – Staubzunge

sukareWenn Matthias Röhricht von seinem Job in einem großen Konzern spricht oder zu jeder Dienstreise eine andere Assistentin mitnimmt, vermutet man nichts von seiner streng religiösen Erziehung. Als Erwachsener tut der Sohn eines evangelisch-freikirchlichen Pastors und einer Flüchtlingsfrau aus Polen so, als habe er mit seinen Eltern nichts zu tun. Das Dogma, die Gewalt und das Schweigen, die er als Kind erlebt hat, versucht er zu vergessen. Auch seine Schwester Adele lebte jahrelang distanziert von den Eltern. Sie nähert sich ihrer Mutter Jad erst wieder, als diese ihre Erinnerung verliert und nicht mehr weiß, dass Adele ihre Tochter ist. Der Tod der Mutter wird für die beiden zur Zäsur. Matthias zieht sich aus allen bisherigen Beziehungen zurück. Adele beginnt rastlos Orte aus Jads Vergangenheit zu suchen und verfällt einer Suchsucht nach der eigenen Zugehörigkeit. Neben einer Erzählerin berichten vier Frauen über Matthias Röhricht und seine Herkunftsfamilie: Röhrichts Frau, seine Schwester, eine Tante und eine Cousine. Sie weiten die Geschichte von Matthias und Adele zu einer Geschichte der Schmerzpunkte des 20. Jahrhunderts. Krieg, Rassismus, Flucht und Vertreibung melden sich in den Nachgeborenen in Form von Unruhe, seelische Erstarrung oder Phantomschmerz. Die Geschichte mit dichten, poetischen Bildern erzeugt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

 

 

Ludwig Fels – Die Hottentottenwerft

felsCrispin Mohr muss weit fort, um seiner Vergangenheit zu entkommen. Er lässt Pappenheim hinter sich, die Mutter, seinen versehrten Vater, eine unglückliche Liebe, und meldet sich als einfacher Reitersoldat zu den sogenannten Schutztruppen in die Kolonie Deutsch-Südwest. Dem, was er sich erträumt, kommt er aber auch in der neuen Heimat in Afrika, Deutschlands fernster Ferne, nicht näher. Als er sich in Hulette verliebt, die Enkelin eines Stammesführers, die als Faustpfand eines trügerischen Scheinfriedens mit der Kolonialmacht zum Opfer politischer Interessen und rassistischer Gewaltfantasien wird, entscheidet er sich für sein Schicksal: für eine Liebe, die keine Zukunft hat. Es ist ein finsteres Kapitel deutscher Geschichte, das Ludwig Fels hier aufschlägt und aus dem er eine Geschichte von biblischer Wucht erzählt. »Die Hottentottenwerft« ist ein Roman über Sehnsucht und Stolz, über den Lebenshunger eines jungen Mannes, der bis zu seinem Untergang an einem Traum festhält, welcher ihn zwischen die Fronten von Leben und Tod geraten lässt. Schmerzlich-schön, schonungslos hart und klar, mit dem glühend-visionären Pathos eines Trauer- und Freudengesangs.

 

 

Karin Peschka – Watschenmann

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Wien, 1954. Die harten Nachkriegsjahre sind vorbei, Wiederaufbau und wirtschaftlicher Aufschwung prägen die Zeit. Doch nicht jeder findet Halt in einer Gesellschaft, die versucht, Krieg und Gewalt in die Vergangenheit abzuschieben. Lydia, Dragan und Heinrich gehören zu den Entwurzelten, die in einem Schuppen hausen und – jeder für sich – ein anderes Bild der Nachkriegsgesellschaft skizzieren. Der Serbe Dragan kämpft um eine Art Normalität, die er nicht findet. Lydia verliert sich in der Hoffnung, ihr Verlobter würde eines Tages aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren. Heinrich, der „Watschenmann“, hat sich eine eigene Gedankenwelt zurecht gelegt. Er zieht durch die Straßen und provoziert Passanten, ihn zu schlagen. Physische und verbale Hiebe steckt er ein, um den „Kriegswurm“ freizulegen, der sich immer noch tief in den Menschen verbirgt. Heinrich entzieht sich Schmerz und Demütigung, indem er an ein Reptil oder einen Raben denkt, „an einen, der sich gegen den Wind stemmt.“ Mit ungeheurer Sprachwucht erzählt dieser Roman von der ambivalenten Beziehung dreier Menschen, die sich Stabilität und Halt geben, die sich schlagen und beleidigen, die an der Hoffnung festhalten.

 

 

Klaus Oppitz & die Tafelrunde – Auswandertag

auswandertagÖsterreich in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Die dritte Amtszeit des rechtspopulistischen Bundeskanzlers Michael Hichl hat begonnen, das Land ist nicht nur frei von Ausländern, sondern auch heruntergewirtschaftet, international isoliert und gebeutelt von Inflation und Arbeitslosigkeit. So macht sich Familie Putschek auf den Weg, um in einem der reichsten EU-Länder eine Zukunft zu suchen: der Türkei. Auf ihrer abenteuerlichen Flucht begegnen die Putscheks burgenländischen Schwarzhändlern, echt arischen Ungarn, zwielichtigen Schleppern, politisch verfolgten Kärntnern und landen in einem Istanbuler Flüchtlingslager. Doch Integration ist eine wirklich schwierige Aufgabe, wenn ein Familienmitglied allmählich in den Wahnsinn gleitet.

 

 

Cay Rademacher – Der Schieber

schieberKommissar Staves zweiter Fall Hamburg 1947: Es ist das Jahr der Extreme. Nach dem bitterkalten Hungerwinter stöhnt die zerbombte Stadt schon im Frühling unter quälender Hitze. Und Oberinspektor Frank Stave wird mit einem neuen Fall konfrontiert. In den Ruinen einer Werft wird die Leiche eines Jungen gefunden. Zusammen mit Lieutenant MacDonald und Doktor Czrisini macht sich Stave auf die Suche nach dem Mörder, und die Ermittlungen führen sie in die Welt der »Wolfskinder« – jener elternlosen Kinder, die aus den besetzten Ostgebieten geflohen sind und sich nun zu Banden vereint als Kohlenklauer, Prostituierte und Schmuggler durchschlagen. Doch nicht nur beruflich sieht Frank Stave sich vor Rätsel gestellt: Mitten in den Untersuchungen steht plötzlich sein Sohn vor der Tür, der aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Ein schmerzhafter Weg der Annäherung liegt vor ihnen, während Stave zugleich um den Erhalt der Beziehung zu seiner Geliebten Anna kämpft. Als zwei weitere Leichen entdeckt werden, gerät Stave zunehmend unter Druck. In einer dramatischen Nacht im Hafen soll sich schließlich entscheiden, ob Stave den Täter zu fassen bekommt …

 

 

Evelina Jecker Lambreva – Vaters Land

vatersland„Der allerbeste Vater ist der tote Vater, der Vater im Himmel. Jetzt kann er mir nicht mehr im Weg stehen, ihn zu lieben.“ Inna Kamenarova, im Bulgarien der 1960er-Jahre geboren und nach der politischen Wende in die Schweiz emigriert, macht sich nach dem überraschenden Tod ihres Vaters auf den Weg in ihr Heimatland. Die Reise zu seiner Beerdigung wird für sie zur Rekapitulation ambivalenter Beziehungen, jener zum autoritären Vater sowie jener zur vom totalitären Regime gebeutelten Heimat. Diese Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend unter der Strenge des Vaters und des Regimes dringen während der Reise ins Städtchen Neblisch in die Gegenwart. In atmosphärisch dichten Szenen erzählt Evelina Jecker Lambreva zärtlich von einer wilden, unberührten Natur, einem Volk, dessen Erfindungsreichtum im Kampf gegen Armut und Unterdrückung nicht zu überbieten ist, und von Begegnungen mit Menschen, die die stets politisch induzierte Tragödie ihres Landes gekonnt zu hintertreiben wissen. Vaters Land ist eine liebevolle und dennoch nichts beschönigende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eines einzelnen Schicksals und eines gesamten Landes.

 

 

Stig Dalager – Das Labyrinth

dalagerSieben Jahre nach ihrer Trennung treffen im Herbst 1993 Sine und ihr tot geglaubter Geliebter, der junge Rechtsanwalt Jon Bæksgaard, unvermittelt in Wien wieder aufeinander. Jon ist von New York nach Österreich gekommen, um in Zusammenarbeit mit Simon Wiesenthal den NS-Kriegsverbrecher Jürgen Menken ausfindig zu machen, der unerkannt mit seiner Frau in der Stadt lebt. In Österreich scheint unterdessen der Aufstieg des Rechtspopulismus unaufhaltsam, und eine rätselhafte Serie von Briefbombenattentaten hält die Öffentlichkeit in Atem. Der dänische Star-Autor Stig Dalager verwebt in seinen packenden Politthriller »Das Labyrinth« neben Zeitgeschichtlichem auch längst vergessen Geglaubtes, das in Traumsequenzen an die Oberfläche tritt. Spannend und hochpolitisch kreist er um essenzielle Fragestellungen von Vergangenheit und Gegenwart, erzählt aber vor allem von den Irrwegen und Wagnissen eines Mannes auf der Suche nach seiner Bestimmung. Der schwedische Kritiker Lars Olof Franzén bezeichnete die Hauptfigur Jon als »den Odysseus unserer Zeit«, und tatsächlich bindet Dalager Reminiszenzen an den griechischen Mythos von Theseus und dem Minotaurus in Knossos in sein Labyrinth ein. Der Frage, wie viel Mensch und wie viel Bestie in ihm steckt, muss sich schließlich auch Jon stellen … »Ein brillanter politischer Thriller, der beste Roman, den Dalager je geschrieben hat.« Ålborg Stiftstidende

 

 

Ulrike Kotzina – Staudamm

kotzinaHannah, einst vor der Enge des Salzkammerguts in die Stadt geflohen, sieht sich intensiv und unausweichlich mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, als sie erfährt, dass ihre seit vielen Jahren verschwundene und totgeglaubte Tante noch leben soll. Die ihr längst entfremdeten Eltern verweigern ihr Antworten, die Dorfbewohner benehmen sich feindselig. Dennoch löst die junge Frau durch ihre Fragen eine Kettenreaktion von Gefühlen in ihrem Heimatort aus, lange Verschwiegenes bricht auf, Geheimnisse werden enthüllt um zu reinigen möglicherweise, um Gewissheit zu schaffen jedenfalls.

Mit einem unbestechlichen Blick für Details entführt Ulrike Kotzina in eine brüchige heile Welt, tief ins Salzkammergut und tief in die Gefühlswelt ihrer Protagonisten. Sie erzählt von Betrug und Verrat, von Lügen und Verschweigen, die unter der polierten Oberfläche des schönen Scheins hausen.

 

 

Günter Neuwirth – Der blinde Spiegel

spiegelWas wäre gewesen, wenn Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg gewonnen hätten?

Günter Neuwirth begleitet seine beiden Helden in eine düstere fiktive Vergangenheit. Im Sommer 1914 muss Valentin Kellermeier an die Front. Er wird zum überzeugten Pazifisten und schließt sich 1946 dem Spionagering Schattennacht an. Hermann Graf von Meyendorff wird von Kindesbeinen an zum Soldaten erzogen. Nach drei Jahren Frontdienst ranken sich Legenden um ihn: Kaum ein Bomberpilot hat mehr Einsätze geflogen. In Konstantinopel verliebt er sich unsterblich in Clarissa Roth, die Tochter eines jüdischen Industriellen. Doch kann ihre Beziehung in Zeiten des Krieges überdauern?

Ein großer Roman um zwei starke Charaktere, um ein Europa, das der Apokalypse entgegen taumelt.

 

 

Isabel Allende – Porträt in Sepia

sepiaAurora del Valle, aufgewachsen im pompösen Haus ihrer Großmutter, hat eine bewegte Kindheit und Jugend zwischen dem Europa der Belle Époque, Kalifornien und Chile hinter sich.

Je mehr sie aber von der Welt kennenlernt, umso deutlicher wächst in ihr das Bedürfnis, aus eigener Kraft zu leben.

Eine Kamera, die sie als Kind geschenkt bekommt, wird ihr zum Mittel der Suche nach ihrer persönlichen Wahrheit. Als sie auf einem Foto, das sie selbst gemacht hat, mit dem Verrat des Mannes konfrontiert wird, den sie liebt, entschließt sie sich, das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu erforschen.

 

 

 

Gertraud Klemm – Herzmilch

herzmilchIn einem großen Haus voller Kinder wächst ein Mädchen auf wie alle anderen; statt für Puppen interessiert sie sich für Wasserkäfer, und dass im Fernsehen immer nur Männer kochen, irritiert sie. Sie wird allmählich erwachsen – Diätwahn, sexuelle Eskapaden, Zorn, Sehnsucht, Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel inbegriffen. Sie lässt sich treiben, von Schule zu Uni zu Arbeitsplatz, von Beziehung zu Beziehung – immer auf der Suche nach ihrer Bestimmung »als Frau«, hinter der sie dumpf die Mutterschaft vermutet (und befürchtet): Alle Welt scheint nichts anderes im Kopf zu haben als sich fortzupflanzen. Aber so viel Unentschlossenheit geht nicht allzu lange gut. Gertraud Klemms Debüt bei Droschl ist ein vor Lebendigkeit sprudelnder Roman mit wachem, klarem Blick auf alte und neue Geschlechterrollen. Sein Witz und sein Humor übertönen aber nie den Ernst der Lage – nämlich die Trägheit der Verhältnisse, den Druck der inneren Zwänge und Neurosen und die Aussichtslosigkeit, wenn alles anders läuft als geplant … Mit Herzmilch ist Gertraud Klemm ein Romanerstling gelungen, der ein altes und immer gleich heißes Eisen originell, schonungslos und temperamentvoll anpackt und neu formuliert.

 

 

Rudolf Nährig – Die Schweinedärme kullerten platschend auf den glitschigen Boden. Szenen einer Kindheit

naehrigAls Oberkellner hat er 35 Jahre lang die Gäste im altehrwürdigen Hamburger `Hotel Vier Jahreszeiten´ aufs Höflichste umsorgt. Seine Erinnerungen `Gern hab ich Sie bedient´ wurden zum Bestseller. Jetzt zeigt der Kultkellner, dass er auch anders kann. Ganz anders! Böse, brutal, bissig. Schonungslos blickt er zurück auf seine Kindheit in einem Hundert-Seelen-Kaff im niederösterreichischen Weinviertel. Ein Abgrund! Mit ungestümer Direktheit und einer gehörigen Portion vom besten schwarzen Wiener Humor makaber erzählt, tut sich ein Höllentor auf. Schamlos aufgetischt: unerhörte Beobachtungen und schaurige Tatsachen. Alles `Nein! Nein!´ nutzt der Ursula gar nichts, wenn der Anton zu viel Wein intus hat. Der alte Schickler liegt beinlos in seiner Siechkammer und brüllt. Emma zieht auf dem Dachboden ihre Bluse aus, der Pfarrer will alle Sünden ganz genau wissen. Adi möchte der Rosl sein neues Fahrrad zeigen, doch die Dorfbuben haben ganz andere Pläne mit ihm. Wenn die Sali mit einem Geliebten allein ist, schminkt sie sich sogar die Lippen rot.

 

 

Lydia Mischkulnig – Vom Gebrauch der Wünsche

wuenscheLeon ist noch im Kindesalter, als er jener Frau begegnet, die er sein Leben lang begehren wird. Aufgewachsen in einem Altersheim, in dem seine Mutter arbeitet, lernt er früh die Freuden und Schmerzen großer Leidenschaft kennen früh gerät er zwischen die Fronten von Liebe und Tod. So will er sich mit dem Verlust des alten Giovanni, dessen bizarrem Charme Leon erlegen ist, nicht abfinden. Gleichzeitig erwacht die Begierde nach der geheimnisvollen Tänzerin Irmgard. Als er die Schöne Jahrzehnte später beim Tangotanzen wiedertrifft, zögert er keine Sekunde und nimmt sich, wonach er seit jeher trachtet. Mit emotionaler Wucht und sprachlicher Präzision fühlt Lydia Mischkulnig direkt an den Puls einer fatalen Leidenschaft und leuchtet zwischenmenschliche Abgründe aus, immer auf der Suche nach der Freiheit, der alle Figuren zustreben. Einmal mehr inszeniert die ‚grandiose Entertainerin des Unheils‘ (Anton Thuswaldner) in ihrem Roman einen mitreißenden Tanz der Gefühle.

 

 

Theodora Bauer – Das Fell der Tante Meri

tante-meriFerdl Meiningers Leben ist voller ungelöster Rätsel und geheimnisvoller Begebenheiten. Als Maria Seytel, von ihm seit seiner Kindheit Tante Meri genannt, stirbt, erbt er ihr gesamtes Hab und Gut ein Vermögen und Ländereien in Südamerika. Ferdinand ist überzeugt, dass Tante Meri keines natürlichen Todes gestorben ist. Als im Dorf eine faszinierende Chilenin eintrifft, die auch auf Tante Meris Begräbnis erscheint, beginnt es in Ferdinand zu arbeiten. Er denkt an seine Mutter Susanne, die in einem früheren Leben Anni hieß und deren Beziehung zu Tante Meri stets zwischen Zuneigung, Verpflichtung und Hass changierte. Und an seinen Vater, der der Legende nach im Krieg gefallen ist. Wie war es wirklich? Und was hatte Tante Meri damit zu tun? Und was Karl Müller, der zweimal auf zwei Kontinenten starb und der ebenso wie Ferdinands Mutter in einer seltsamen Abhängigkeit zu Tante Meri stand?

In drei Erzählsträngen, die zwischen den letzten Kriegsjahren und den achtziger Jahren angesiedelt sind, entwickelt Theodora Bauer ihr eindrucksvolles Debüt. Sie versteht es, Leben in Geschichte und Geschichte in Persönliches zu bringen und vor allem, eine atem lose Spannung im Leser aufzubauen.

 

Erika Pluhar – Die öffentliche Frau

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Erinnerungen einer Ausnahmekünstlerin. Ein Journalist bittet die prominente Künstlerin, ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen, da er eine Serie in seiner Zeitung publizieren will. Zuerst noch misstrauisch, fasst sie jedoch bei seinen täglichen Besuchen langsam Vertrauen und beginnt zu erzählen: von ihren zwei Ehen, von ihren Theatererfahrungen, von ihrem Weg zur Schriftstellerin und von den Menschen, die ihr Leben maßgeblich prägten. Über die Höhen und Tiefen eines Lebens in der Öffentlichkeit.

Erika Pluhar hat mit Die öffentliche Frau eine andere Art der Autobiografie geschrieben: zwischen Fiktion und Realität. Persönlich, berührend und fesselnd.

 

 

Vokabeltrainer Englisch (CD-ROM)

dpvokabeltrainerMit der intelligenten Vokabelverwaltung können Sie den vollvertonten Grund- und Aufbauwortschatz von über 10.000 Wörtern beliebig erweitern und bearbeiten. Abwechslungsreiche Übungsformen und der 5-Fächer-Karteikasten garantieren ein effizientes Vokabeltraining. In einem eigenständigen “Minisprachkurs” werden alle Wortfelder im Zusammenhang ganzer Sätze geübt.Mit dem mobilen Vokabeltrainer übernehmen Sie unbekannte Wörter direkt auf Ihr iPhone, iPad oder Android Smartphone und trainieren jederzeit unterwegs Ihre Vokabeln. Lesen Sie jede Woche im aktuellen Online-Magazin interessante Artikel zu Kultur, Politik, Sport und vielem mehr in Ihrer Lernsprache.

Systemanforderungen: Windows 8, 7, Vista oder XP; Soundkarte; DVD- oder CD-Laufwerk; optional: Mikrofon und Internetzugang
Niveaus: A1/A2/B1/B2

 

Ben X (DVD)

BenXGerade hat Ben seiner Spielfigur wieder neue Fähigkeiten verliehen. In brutalen Schlachten metzelt er Horden von Gegnern nieder und keine Aufgabe scheint zu groß für ihn. Kein Wunder, denn Ben sitzt die meiste Zeit vor dem Computer. In dem Online-Spiel „Archlord“ besteht er Prüfungen, die ihn im wahren Leben überfordern. Ben ist anders und wird von seinen Mitschülern gemobbt, bestenfalls gemieden. Der triste Alltag ist für den Jungen die Hölle und so flüchtet er in eine Welt, in der ihm keiner etwas anhaben kann – bis er schließlich genug von allem hat: Game Over!
„Ben X“ ist ein Film, der in vielerlei Hinsicht wachrüttelt. Er zeigt, dass die Menschen, sowohl Erwachsene als auch Teenager, noch viel im Umgang mit Beeinträchtigung zu lernen haben. Vor allem was das Mobben von Schülern  betrifft, die anders sind. Denn ich finde, wenn ein Lehrer schon merkt, dass sich ein Schüler im Schulalltag nicht wohlfühlt, sollte er schnell möglichst eingreifen und nicht abwarten, bis es zu spät ist. Damit will ich aber nicht behaupten, dass es in allen Schulen so zugeht, aber „Ben X“ zeigt, was die Folgen von Mobbing sein können, denn die Botschaft ist klar: Wir müssen einander achten – egal, ob „normal“ oder nicht, denn dann lässt sich vielleicht ein Drama verhindern und man muss sich hinterher nicht die Frage stellen: Wie konnte es nur soweit kommen?
(Merima Tuzlak)

 

Leif GW Persson – Mörderische Idylle

MXXrderischeIdylleIn Wäxjö, einem idyllischen Provinzstädtchen in Schweden, geschieht ein kaltblütiger Mord, der die Gemüter ganz besonders erregt: Die zwanzigjährige Linda wurde in ihrer Wohnung grausam misshandelt und anschließend erwürgt. Linda war nicht nur ausgesprochen attraktiv und bei allen beliebt, sie besuchte noch dazu die Polizeischule und stand kurz vor der Übernahme in den regulären Dienst. Vieles deutet darauf hin, dass Linda ihren Mörder kannte. Doch der Hauptverdächtige hat ein stichhaltiges Alibi …
Wenn man dem Klappentext Glauben schenkt, müsste dieser skandinavische Krimi ein mega super spannendes Meisterwerk sein. Also, mal sehen, was wir da alles haben: eine ermordete Polizistin, einen unfähigen leitenden Ermittler, der ein unmögliches Vokabular hat, wie ein Loch säuft, frauenfeindlich ist und sich selbst für Gott hält. Und zwei Kommissarinnen, die nie auftauchen, um den Fall ENDLICH(!) voranzutreiben. O ja, dieser Roman ist wirklich gut zu lesen und bekommt von mir hundert Punkte. Nein, im Ernst: Selten habe ich ein Buch – vor allem einen Krimi – gelesen, der mich so aufgeregt und gleichzeitig so gelangweilt hat. Außerdem fiel mir auf, dass der Autor sich in mancher Hinsicht mehrmals wiederholt, zum Beispiel was den Ort betrifft, in dem die Geschichte spielt. Er braucht ja nicht hundert Mal zu erwähnen, dass es in Wäxjö ist, ich meine die Leser sind ja nicht dumm. Und da ist noch der „Sommer, der schon im Mai begann und kein Ende zu nehmen schien“, also das ist auch eine seiner Lieblingszeilen, mit der er seine Leser durch oftmaliges Wiederholen nervt.
„Mörderische Idylle“ hat von der Frankfurter Rundschau die Rezension „das ist hohe Krimi-Kunst“ bekommen. Ja, wenn man auf langweilige Bücher steht, dann auf alle Fälle.
(Merima Tuzlak)

 

Ursula Poznanski – Erebos

ErebosErebos ist ein Spiel. Es beobachtet dich, es spricht mit dir, es belohnt dich, es prüft dich, es droht dir. Erebos hat ein Ziel: Es will töten.
Ich bin ja wirklich hart im Nehmen, was Thriller angeht,  doch „Erebos“ ist eines der wenigen Bücher, das mir schlicht und einfach zu unheimlich ist. Dieses Buch ist eine Mischung aus „Matrix“ und „Die Tribute von Panem“, da sich die Grenze zwischen Schein und Sein immer mehr verwischt, je weiter man vordringt. Besonders erschreckend finde ich jedoch, wie bestimmend und manipulativ ein einfaches Computerspiel das reale Leben und Bewusstsein eines Menschen beeinflussen kann, so wie es in diesem Fall in „Erebos“ dargestellt wird. (Merima Tuzlak)

 

Katherine Webb – Das geheime Vermächtnis

Webb_VermXchtnisNach dem Tod ihrer Großmutter erben die Schwestern Erica und Beth das herrschaftliche Gut Storton Manor. Jahre sind vergangen, seit sie den alten Landsitz zuletzt betreten haben – zu schmerzhaft ist die Erinnerung an ihre Kindheit, als ihr Cousin Henry mit zwölf Jahren spurlos verschwunden ist.  Doch jetzt, nach ihrer Rückkehr, lässt Erica die Vergangenheit nicht los. Sie liest die Briefe ihrer Großmutter, um endlich herauszufinden, was damals wirklich geschah. Immer tiefer gerät sie in den Bann eines dunklen Familiengeheimnisses, das offenbar seit Generationen gehütet wird …
Dieser Roman ist sehr leicht zu lesen. Er spielt im England von damals und heute; das heißt, Katherine Webb schafft es, den Leser in das England der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert  zu entführen, aber auch wieder ins moderne England zurückzuholen, ohne den Leser zu verwirren. „Das geheime Vermächtnis“ ist eine spannende Lektüre, auch wenn sie zum Teil sehr durchschaubar ist.
(Merima Tuzlak)

 

Michelangelo Antonioni – Blowup (Film)

BlowUpDer Fotograf Thomas hat nichts gesehen. Und doch hat er alles gesehen: Heimlich hat er ein Liebespaar im Park fotografiert – erst auf den Vergrößerungen der Fotos entdeckt er Indizien dafür, dass vor seinen Augen ein Mord geschah. Oder doch nicht?
Also ganz ehrlich? Dieser Film ist der größte Schwachsinn, den ich je gesehen habe. „Blowup“ spielt im London der sechziger Jahre, doch mir behagte er ganz und gar nicht. Und das aus verschiedenen Gründen. Einer davon war der Hauptcharakter, der Fotograf Thomas. Selten bin ich in den Genuss eines Filmes gekommen, in dem der Darsteller mit so viel Arroganz auftrat. Ich meine, nur weil man in einer Sache gut ist, wie in diesem Fall Thomas als Fotograf, hat man noch lange nicht das Recht dazu, andere herablassend und respektlos zu behandeln. Außerdem war ich über den damals herrschenden Magerwahn erschrocken.
(Merima Tuzlak)

 

Jón Kalman Stefánsson – Der Schmerz der Engel

Schmerz_der_EngelNordwind, und alles ist weiß, die Posttaschen wiegen schwer auf ihren Schultern. Helga hat ihnen ordentlich Proviant mitgegeben. Du trägst die Verantwortung für ihn, hat sie zu Jens gesagt. Und dann sind die beiden aufgebrochen, zu ihrer gefährlichen Reise durch den isländischen Winter. Was suchen sie da draußen, außer dem Tod? Dieser Roman ist düster und traurig geschrieben, fast schon ein bisschen depressiv angehaucht. „Der Schmerz der Engel“ hat einen metaphorischen Schreibstil, was  dem Leser die Vermutung nahebringt, wie hart das Leben im hohen Norden sein muss. Gleichzeitig aber regt dieses Buch sehr zum Nachdenken an und sorgt dafür, dass im Nachhinein manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. (Merima Tuzlak)

 

David Lynch – Lost Highway (DVD)

Lost_HighwayZerfressen von Eifersucht verdächtigt Fred Madison seine Frau Renee, ihn zu betrügen. Unter dem Verdacht, sie auf bestialische Weise ermordet zu haben, wird er plötzlich verhaftet. Während er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet, ereignet sich eine unglaubliche Transformation: Fred verwandelt sich in Pete Dayton, einen jungen Automechaniker.
„Lost Highway“ ist einer der wenigen Filme, dessen Handlung ich nur schwer folgen konnte, oder besser gesagt: Regisseur David Lynch hat es geschafft, das reale Leben von Fred Madison und seines alten Egos so ineinander verschmelzen zu lassen, dass man anfangs nicht weiß, dass es Pete Dayton eigentlich nicht gibt. Das wird erst im Laufe des Films klar. Man sieht auch nicht, wie Fred den Mord an seiner Frau begeht. Er streift durch die Räume und ruft nach ihr, dann ist er plötzlich im Gefängnis. Was mir aber aufgefallen ist, sind die vielen Sex-Szenen, die sich durch den Film ziehen, weil Fred Madison alias Pete Dayton zumindest in seinem anderen Leben seine Frau Renee alias Alice sexuell zu befriedigen versucht. Grundsätzlich ist dieser Film nicht schlecht, die Szenerie ist sehr düster mit passender Hintergrundmusik von Marylin Manson und Rammstein. Dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Klarheit darüber gewünscht, wann das Leben des Fred Madison aufhört und das des Pete Dayton beginnt!
(Merima Tuzlak)

 

Maja Haderlap: Engel des Vergessens

HaderlapDieses Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird an eine Kindheit in den Kärntner Bergen; erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig.  In den Wald zu gehen hieß eben „nicht nur, Bäume zu fällen, zu jagen, oder Pilze zu sammeln.“ Es hieß sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Tod, Verhaftung, Konzentrationslager. Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und schließlich als kritische junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Also, „Engel des Vergessens“ ist das erste Buch, das sich mit dem Thema Krieg befasst, das mir gefallen hat. Die Schreibweise von Maja Haderlap zieht den Leser fast in das Buch hinein, man hat das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Dieses Buch ist so lebendig, da die Autorin so viel Gefühl hineinlegt. Ich kann „Engel des Vergessens“  nur in höchsten Tönen loben und  es jedem ans Herz legen. (Merima Tuzlak)

 

Handy, Heimweh, Heugeruch
17 Kurzgeschichten von Freiheit und Verwurzelung

Handy_HeimwehDas Landleben liegt wieder im Trend. Medienexperten, Soziologen und andere Experten streiten über das Phänomen, während dem Publikum oft nur einseitige Berichte zugemutet werden hier die (vermeintlich) schönen, dort die (angeblich) skurrilen Szenen des Landlebens. Doch wie sieht es wirklich aus, gerade für junge Menschen ein Leben auf dem Land, in der Landwirtschaft, in einer Dorfgemeinschaft? Sehen junge Menschen Perspektiven für sich, dort wo sie herkommen? Und welchen Bezug und welche Sehnsüchte verbinden Stadtkinder mit dem Land? Diese und viele andere aktuelle Themen des Landlebens sind in die Kurzgeschichten des 2. Jugendliteraturpreises der deutschen Landwirtschaft eingeflossen, die in diesem Band gesammelt sind.

 

 

Frances Fyfield – Ein böser Verdacht

fyfield40 TOTE BEI ZUGUNGLÜCK lautet die Schlagzeile, die weite Teile der Bevölkerung um London in Aufregung versetzt. Auch den steinreichen Douglas Petty, dessen junge Frau Amy Petty in dem Unglückszug saß und von der jedes Lebenszeichen fehlt. Aber Amy Petty ist nicht unter den Toten, sondern hat sich klammheimlich vom Unglücksort entfernt. – Eine Flucht aus ihrem Leben mit Douglas? Als ich den Klapptext dieses Romans las, dachte ich: Dieses Buch klingt vielversprechend und sehr spannend, das muss ich lesen. Nun ja, es ist auch lesenswert, aber Frances Fyfield neigt zum Extremismus. Sie lässt ihren männlichen Buchcharakter Douglas Petty als einen frauenhassenden Snob erscheinen, der die Meinung vertritt, dass er sich die halbe Welt erkaufen kann und obendrein noch sehr anormale Sexualvorlieben hat. Während sie Amy Petty als manisch depressives Opfer hinstellt, das in dieser Zweckehe gefangen ist und mit ihrem vorgetäuschten Tod auszubrechen versucht. Ich war aber eher von dem überheblichen und zynischen Charakter des Douglas Petty schockiert, als den ihn die Autorin beschrieben hat. (Merima Tuzlak)

 

Julie Parsons – Sündenherz

SXndenherz„Lass mich in Ruhe, Owen, wie oft soll ich dir das noch sagen. Ich will dich heute Nachmittag nicht hier haben.“
Nick, Susan und der kleine Owen – eine perfekte kleine Familie. Bis zu diesem verhängnisvollen Nachmittag, Halloween 1991. Danach war nichts mehr so, wie es früher einmal war. Niemals wieder.
„Sündenherz“ gehört zu den Romanen, die alles aufweisen, was ein gutes Buch ausmacht: Spannung, Drama, Liebe und Intrigen.  Julie Parsons verpackt all diese Dinge, ohne dabei das Buch langweilig erscheinen zu lassen. Ihr großer Pluspunkt ist jedoch die Beschreibung der Umgebung. Dieser Roman spielt in Dublin; ihre Beschreibung ist so präzise, dass man ein genaues Bild von Stadt und Landschaft im Kopf bekommt. Was einen am Ende dazu verleiten kann, eine Reise nach Dublin machen zu wollen. (Merima Tuzlak)

 

Persepolis (DVD)

PersepolisMarjane ist acht Jahre alt, als die Mullahs den Schah aus Persien vertreiben und die Macht übernehmen. Die Welt ist auf einmal eine andere, aber das rebellische Mädchen denkt gar nicht daran, sich den neuen strengen Regeln zu unterwerfen. Viel lieber entdeckt sie Punk, ABBA, Iron Maiden und natürlich Jungs. Sie ahnt nicht, dass ihr spielerischer Protest gefährlich ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familie.
… “Du bist die Tochter, die ich mir immer erträumt habe. Aber du wirst sehen: Eines Tages wird die Arbeiterklasse doch siegen. Hier, ich habe dir noch einen Schwan aus Brot gemacht, es ist der Onkel vom ersten Schwan. Du Stern meines Lebens.“ (Zitat von Onkel Anusch aus „Persepolis“)  Dieser Film hat zwei Seiten: Auf der einen Seite erfährt man viel Interessantes über die Kultur, das Leben und die Bräuche des Iran. Doch dieser Film spielt auch in einer schrecklichen Zeit, in der Zeit des Krieges. Einer Zeit, in der halbwüchsige Jungs statt Mädchen zu umgarnen und sich in Diskotheken zu amüsieren, zu Soldaten ausgebildet werden und Leute umbringen müssen. Einer Zeit, wo Menschenrechte und vor allem Frauenrechte keinen Pfifferling wert sind. Ja, dieser Film spielt in einer Zeit des Blutes und der Unterdrückung. Marjane erzählt ihre Geschichte – auf ihre eigene traurige, aber sehr berührende Art, davon wie ihr Onkel verhaftet und im Gefängnis umgebracht wird und sie daraufhin ihren Glauben an Gott verliert. „Persepolis“ enthält aber auch eine versteckte Botschaft, nämlich: Vergiss nie, wer du bist und woher du kommst und bleibe dir selbst immer treu. (Merima Tuzlak)

 

Charlotte Kerner: Blueprint – Blaupause

blueprintDie hochbegabte Komponistin Iris leidet an einer unheilbaren Krankheit. Damit ihr Talent nicht mit ihr aus der Welt verschwindet, lässt sie sich klonen. Iris und ihre Tochter Siri sind damit eineiige Zwillinge und zugleich Mutter und Kind. Als „blueprint“, als Kopie ihrer Mutter, lebt Siri ein vorgegebenes, vorgelebtes Leben. Wo  genau verläuft die Grenze zwischen ihren Persönlichkeiten? Wer ist hier Ich und wer Du, wer frei und wer Sklavin der anderen? Dieser Roman zeugt von unglaublicher Arroganz, Selbstverliebtheit und Selbsthass. Eine Komponistin, die weiß, dass sie bald sterben muss und sich klonen lässt, ist eine Sache. Aber sie tut es aus den falschen Gründen, aus egoistischen Gründen. Selbsthass deshalb, weil sie ihrem Klon-Zwilling, als er dann zur Welt kommt, keinerlei Liebe, Zuneigung oder Wärme entgegenbringt. Denn Siri ist ja nichts anderes als eine Kopie ihrer selbst. Auch wenn man selbst wenig Liebe in seinem Leben erfahren hat, sollte man versuchen seinen Kindern eben diese Liebe zu geben, auch wenn sie „nur“ künstlich erschaffen worden sind. Und wenn man schon beschließt, Kinder in die Welt zu setzen, sollte man vorher mit sich im Reinen sein. Klon-Forschung hin oder her, ich halte nichts davon. Denn kein Mensch hat das Recht, aus Überheblichkeit dermaßen in die Natur einzugreifen und Gott zu spielen! (Merima Tuzlak)

 

Nic Balthazar: Ben X

BenXB180 Pulsschlag. Dreizehn Laternenpfähle. Zwei Zebrastreifen. Siebzehn Treppenstufen. Dinge, die man zählen kann. Dinge, auf die man zählen kann. Alles andere bedeutet Kampf im Leben des sechzehnjährigen Ben. Ganz besonders die Schule, denn dort wird er verhöhnt, gedemütigt, gequält. Im Chat findet Ben Zuflucht. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, und in seiner Verzweiflung sieht Ben nur noch einen Ausweg … „Ben X“ macht auf ein Thema aufmerksam, das früher ein absolutes Tabu war und um das auch heute noch zum Teil ein großer Bogen gemacht wird: Behinderung. Es zeigt, dass behinderte Menschen auch Menschen sind und auch das Recht auf ein Leben haben – mit allen Wünschen, Träumen und Bedürfnissen, wie sie jeder „normale“ Mensch auch hat. Nic Balthazar hat eine Schreibweise, die aufklärend, schockierend und einfühlsam zugleich ist und einem die Tränen in die Augen treibt. (Merima Tuzlak)

 

Barbara Bongartz: Topmodel

TopmodelHeidi, Lilli, Sascha. Drei Models, deren Wege sich kreuzen – auf der Jagd nach Glamour, Ruhm und Geld. Drei Träume, die im Scheinwerferlicht gelebt werden – auf den Catwalks, im Fernsehen, in den angesagtesten Locations. Ganz ehrlich? Ich lese wirklich gern und mein Instinkt für gute Bücher täuscht mich eigentlich selten. Und es passiert mir äußert selten, dass ich ein Buch derartig entnervend finde, dass ich’s weglege. „Topmodel“ jedoch ist so ein Buch. Eine Frau will Heidi Klum porträtieren, weil sie gerade „Germany’s Next Topmodel“ gesehen hat. Sie bekommt aber von der besagten Person eine Absage und heftet sich dann an die Fersen von einem Backstage-Mitglied, um es zum Topmodel zu machen und es groß rausbringen zu lassen. Das erscheint mir dann doch irgendwie zu weit hergeholt! (Merima Tuzlak)

 

Hans-Georg Noack: Rolltreppe abwärts

rolltreppeJochen  hat keine Freunde. Bis er Axel und Elvira trifft. Endlich Menschen, die sich für ihn interessieren. Jochen weiß, dass er diese Zuneigung nicht umsonst bekommt. Er beginnt zu stehlen – und wird erwischt. Zu Hause gibt es großen Ärger, in der Schule wird er mehr denn je gemobbt. Jochen schlägt zurück, so hart, dass er andere verletzt. Die Konsequenz: Der 13-jährige muss ins Heim. Flucht ausgeschlossen.
“… Ich wollte die Geschichte einer Vereinsamung erzählen. Die Geschichte eines Jungen, der nicht zurecht kommen kann, weil auch Menschen, die es gut mit ihm meinen, im jeweils entscheidenden Augenblick versagen, nicht da sind, nicht helfen. Nicht etwa, weil sie böse wären, sondern weil sie genauso fehlerhaft sind wie jeder von uns. Und so gedankenlos auch.“ (Hans-Georg Noack)
Und das hat er meiner Meinung nach auch. Die Geschichte des Jürgen-Joachim Jäger, der als Scheidungskind doch nur ein bisschen Liebe und Zuwendung wollte, sie nicht bekam und dadurch auf die schiefe Bahn geriet, ist zwar eine frei erfundene Geschichte, die aber trotzdem sehr an die Nieren geht. Hans-Georg Noack besitzt die seltene Gabe, sich in einen 13-Jährigen hineinversetzen zu können, denn er hat dieses Buch so geschrieben, als ob er dieser 13-jährige Junge wäre. Diese Lektüre ist ein Aufruf an alle Eltern, die in Scheidung oder Trennung leben und Kinder haben. Denn genau in solchen Zeiten brauchen Kinder eine Ansprechperson und sehr viel Einfühlungsvermögen! (Merima Tuzlak)

 

Peter Henisch: Der verirrte Messias

messiasDass ein junger Mann, der nach Israel fliegt, die Bibel liest, ist vielleicht nicht ungewöhnlich, doch dass er bei dieser Lektüre lacht, findet Barbara, die im Flugzeug neben diesem seltsamen Menschen sitzt, befremdlich. Da beginnt er ihr die Passage, die er gerade gelesen hat, auf seine Weise zu erzählen.  Er erzählt, als wäre er dabei gewesen, damals vor 2000 Jahren. Barbara hält das vorerst für eine schräge Art von Humor. Als sie jedoch bemerkt, dass er es ernst meint, wird ihr die Sache unheimlich. Sie will sich eben einen anderen Platz suchen, als eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Rom angekündigt wird. Wieso Barbara sich dort von Myschkin – so nennt er sich – zum Essen einladen lässt, bleibt ihr selbst ein Rätsel. Am nächsten Tag, auf dem Flughafen von Tel Aviv, ist sie froh, ihn loszuwerden. Doch als sie zwei Wochen später nach Hause kommt, erwartet sie dort der erste einer Serie von Briefen aus Israel, die sie in den folgenden Monaten beschäftigen werden: Briefe, in denen ein Mann, der sich mit Jesus identifiziert, herauszufinden versucht, warum die Erlösung nicht stattgefunden hat – bis heute.
Also, als ich den Klapptext dieses Buches gelesen habe, hatte ich irgendwie ein Déjá vu. Da dachte ich: Das hatten wir doch schon Mal. Denn ich habe angenommen, dass dieses Buch so etwas ähnliches ist, wie David Safiers „Jesus liebt mich“ – ich dachte, somit, mit diesem Buch wird die Religion und das Christentum auf die Schippe genommen. Ich lag falsch: „Der verirrte Messias“ ist ein sehr seltsames Buch; wenn Peter Henisch seine Charaktere sprechen lässt, setzt er keine Anführungszeichen, was für den Leser zusätzlich für Verwirrung sorgt. (Merima Tuzlak)

 

Kurt Palm: Bad Fucking

Bad_FuckingAm Arsch der Welt spielt es sich ganz schön ab: Die Innenministerin verschwindet, ein Einsiedler liegt tot in seiner Höhle, die Philharmoniker fallen vom Himmel und beim Fleischhacker stapeln sich die Leichen. Willkommen in Bad Fucking!
Zuerst dachte ich, Kurt Palms „Bad Fucking“ wäre mit David Safiers „Mieses Karma“ zu vergleichen. Aber weit gefehlt: Kurt Palm ist offenbar für seinen schwarzen Humor bekannt, da dieser Krimi voll davon ist.  Wenn man dieses Buch liest, hat man das Gefühl, man würde sich Xaver Schwarzenbergers „Zuckeroma“ anschauen.  (Merima Tuzlak)

 

Gail Giles: Ich mach dich fertig

Giles„Es war leicht, Simon Glass zu hassen. Ich wusste nie genau warum, er hatte einfach zu viele Macken.“
Doch genau diesen Außenseiter hat Rob sich als Opfer für sein Machtspiel ausgewählt. Er will Simon zum Highschool-Star puschen und im selben Atemzug Schülerliebling Lance zum Außenseiter degradieren. Willige Helfer hat der charismatische Rob zuhauf, jeder will in seiner Gunst stehen – doch eine Spielfigur begeht einen tödlichen Fehltritt: Simon
„Führer, wir folgen dir.“ Dieses Buch beschreibt, wenn eine Person zum „Führer“ wird und was passieren kann, wenn die Person diese Machtposition für seine Zwecke zu missbrauchen versucht. Jetzt kann ich nachvollziehen, wie Hitler sich gefühlt haben muss , als er gemerkt hat, wie manipulativ er sein konnte und ihm genau das geholfen hat, vom Reichskanzler zum Diktator aufzusteigen. „Ich mach dich fertig“ ist das perfekte Rezept für „Wie steige ich am besten zum Diktator auf?“ Es ist ein Buch mit katastrophalem Ausgang. (Merima Tuzlak)

 

Dan Brown: Sakrileg – The Da Vinci Code

SakrilegRobert Langdon, Symbologe aus Harvard, befindet sich aus beruflichen Gründen in Paris, als er einen merkwürdigen Anruf erhält: Der Chefkurator des Louvre ist mitten in der Nacht vor dem Gemälde der Mona Lisa ermordet aufgefunden worden. Langdon begibt sich zum Tatort und erkennt schon bald, dass der Tote durch eine Reihe von versteckten Hinweisen auf die Werke Leonardo da Vincis aufmerksam machen wollte, Hinweise, die seinen gewaltsamen Tod erklären und auf eine finstere Verschwörung deuten. Bei seiner Suche nach den Hintergründen der Tat wird Langdon von Sophie Neveu unterstützt, einer Kryptologin der Pariser Polizei und Enkeltochter des ermordeten Kurators. Eine aufregende Jagd beginnt.
Dan Browns „Sakrileg – The Da Vinci Code“ ist umfassend und sehr spannend geschrieben. Brown kann man ruhig mit Stephen King vergleichen, da sich die beiden Schreibstile ähneln. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass die franzischen Namen vielleicht für manche Leser oft nicht ganz leicht zu lesen sind, besonders wenn man kein Französisch hatte und man nicht weiß, wie man es ausspricht. (Merima Tuzlak)

 

Jan Guillou: Evil – Das Böse

evil_kleinErik ist 14, als ihn keine normale Schule mehr aufnehmen will. Selbst Sohn eines prügelnden Vaters, ist er bereits der rabiate Anführer einer berüchtigten Jugendbande. Seine letzte Chance, irgendwann das Abitur zu machen, ist das Internat  Stjärnsberg. Stjärnsberg gilt als vornehm, als Eliteschule. Doch in Wahrheit wird es vom „Rat“ beherrscht, einer Clique sadistischer Primaner, die das Quälen, die Erniedrigung jüngerer Schüler zur Kunst erhoben haben. „Kameradenerziehung“ nennen sie es – und die Lehrer schauen weg. Pierre, dem sanften, dicklichen Jungen, mit dem sich Erik angefreundet hat, bleibt nur die Flucht. Erik aber wird durchhalten. Nicht nur, weil er seinen Abschluss haben will, sondern auch, weil das Böse nicht siegen darf.
In diesem Thriller wird einem nahegelegt, wie sich Gewalt – egal ob in der Schule, in der Freizeit, oder in der Familie – auf eine Kinderpsyche auswirken kann. Das Buch erinnert an den Film „Sleepers“, da die Handlung ziemlich ähnlich ist. (Merima Tuzlak)

 

Clint Eastwood: Gran Torino (DVD)

gran_torinoDer Korea-Kriegsveteran und pensionierte Automechaniker Walt Kowolski mag es nicht, wie sich sein Leben und seine Nachbarschaft verändert haben. Auch seine Nachbarn, die Hmong – Immigranten aus Südostasien, kann er überhaupt nicht leiden. Aber die Situation erfordert es, dass Walt diese Nachbarn gegen eine örtliche Gang verteidigen muss, die Angst und Schrecken verbreitet.
Clint Eastwood spielt die Rolle des scheinbar verbitterten Walt Kowolski wirklich grandios. Aber es gelingt ihm im Laufe des Films nicht, die Maske der Verbitterung aufrecht zu erhalten, und nach und nach kommt sein weicher Kern unter der vermeintlich harten Schale zum Vorschein. „Gran Torino“ braucht den Vergleich mit „Million Dollar Baby“ nicht zu scheuen. (Merima Tuzlak)

 

 

Simon Beckett: Die Chemie des Todes

ChemieDavid Hunter war der beste forensische Anthropologe Englands, bis ein tragischer Unfall sein Leben für immer veränderte. Aber der Tod lässt David einfach keinen Frieden …
„Die Chemie des Todes“ ist einer der besten Thriller, die Beckett je geschrieben hat. Das Buch hat alles, was ein Thriller haben muss: Spannung, Unheimlichkeit und Gruseln. Beckett zeichnet vieles aus: zum einen die unglaublich präzisen Recherchen für seine Bücher, zum anderen die Fähigkeit, die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten, und natürlich die überraschenden Wendungen. Obwohl „Die Chemie des Todes“ nichts für schwache Nerven und auch nichts für einen empfindlichen Magen ist, so hat das Buch doch einen gewissen Suchtfaktor – man kann es einfach nicht aus der Hand legen! (Merima Tuzlak)

 

Linda Barnes: Carlotta jagt den Coyoten

CarlottaCarlotta Carlyle ist eine abgebrühte Taxifahrerin, und die Straßen von Boston sind ihr Revier. Doch ihre wahre Leidenschaft gilt ihrem ganz und gar anderen Beruf: Mit durchtrainierten eins fünfundachtzig hat Carlotta die Durchschlagskraft, die eine Privatdetektivin amerikanischer Provenienz auszeichnet. Carlotta wird von der verängstigten Manuela Estefan beauftragt, ihre Green Card wiederzubeschaffen. Mit dieser Aufenthaltsgenehmigung darf Manuela als Ausländerin unbegrenzte Zeit in den USA leben und arbeiten. Aber die Sache hat einen Haken: Manuelas Green Card befindet sich mittlerweile in der Mordkommission, die sie direkt neben einer verstümmelten weiblichen Leiche gefunden hat.
Dieser Roman ist spannend und sehr leicht zu lesen. Linda Barnes versteht es, ihre Bücher den Lesern  schmackhaft zu machen. Dennoch hat sie im Klapptext zu viel verraten und viel zu viel unnötige Dinge eingebaut, die sich dann im Buch wiederholen. (Merima Tuzlak)

 

Markus Zusak: Wilde Hunde

Wilde_HundeRuben und Cameron Wolfe sind Brüder, Freunde, Vorstadtfighter. Jede Nacht geben sie bei illegalen Boxkämpfen alles – für ein paar Dollar, für ihren Stolz und füreinander. Bis sie sich in dasselbe Mädchen verlieben und zu Gegnern werden, im Ring wie in der Liebe.
„Wilde Hunde“ ist ein Jugenddrama, in dem Bruderliebe auf eine harte Probe gestellt wird. Das Buch hat etwas „Fight-Club“ -mäßiges von der Brutalität her, aber gerade das macht es lesenswert. (Merima Tuzlak)

 

 

Yann Queffélec: Hüte dich vor dem Wolf

HueteToni Bernard ist ein Träumer und Einzelgänger. Oft ist er mit seinem Kahn auf dem Fluss unterwegs, meist zu seiner geheimen Insel, wo er eine flügellahme Möwe versorgt. Seit dem Tod der geliebten Großmutter ist er gänzlich seinen Eltern ausgeliefert. Das Leben wäre unerträglich, wäre da nicht seine Cousine Maí, die kleine Halbchinesin. Maí ist für ihn das schönste Wesen der Welt, und sie gehört ihm. Später einmal, wenn er groß, stark und reich ist, wird er sie heiraten…
„Hüte dich vor dem Wolf“ ist ein Roman mit sehr spezieller Handlung. Die Aussagen der Charaktere dieses Buches sind aber schwer zuzuordnen, da der Autor einen eigenen Schreibstil hat. (Merima Tuzlak)

 

Dietlof Reiche: Die Hexenakte

HexenakteSeit 500 Jahren findet die Seele der Fingerhütin keine Ruhe. Unschuldig wurde sie als Hexe verbrannt. Sie hat noch eine Rechnung zu  begleichen.
„Die Hexenakte“ ist ein wirklich fesselnder Roman, der sich auf außergewöhnlich spannende  Weise mit dem Thema Hexenverfolgung des 16. Jahrhunderts beschäftigt. (Merima Tuzlak)

 

 

 

 

Michael Theurillat: Im Sommer sterben

im_sommer_sterbenEin Mordfall auf einem Golfplatz bei Zürich hält Kommissar Eschenbach in drückender Sommerhitze auf Trab. Wer könnte ein Interesse am Tod von Philipp Bettlach haben? Der Banker war außerordentlich beliebt und hatte scheinbar keine Feinde. Bis die Vergangenheit ihn einholte …
„Im Sommer sterben“ ist wirklich spannend. Der Autor hat es geschafft, den Figuren so viel Charakter zu verleihen, als wären sie echt. Man kann sich in das Buch sehr gut hinein versetzen, hat man doch das Gefühl, selbst dabei zu sein. (Merima Tuzlak)

 

 

 

Thomas Jeier: Rom, zweite Klasse, einfach

RomAngie bleibt nächtelang fort, kapselt sich immer mehr von der Familie ab und hat plötzlich zwielichtige Freunde. Als ihre Schwester Yvonne dahinterkommt, dass Angie Drogen nimmt – Tabletten, vielleicht sogar Heroin -, versucht sie alles, um Angie da rauszuholen. Doch will Angie diese Hilfe überhaupt? Angie sieht in einer Reise nach Rom ihre letzte Chance und folgt ihrem Freund Luigi nach Italien.

„Rom, zweite Klasse, einfach“  ist eine spannende Lektüre, die über Drogen aufklärt und gleichzeitig dem Leser vermittelt, wie sich Drogenmissbrauch auf einen Menschen auswirken kann. Es erinnert an Bücher wie: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und „Engel und Joe.“ (Merima Tuzlak)

 

 

Juli Zeh: Schilf

Zeh_SchilfSebastian kann mit seinem Leben mehr als zufrieden sein. Vielleicht hat er ein bisschen zu viel von seinem physikalischen Talent zugunsten seiner Familie aufgegeben. Sein alter Freund Oskar, auch er ein Genie der theoretischen Physik, erinnert ihn zuweilen daran. Als Sebastian seinen Sohn in ein Ferienlager fahren will, findet er sich unversehens in einem Alptraum wieder. Der Sohn wird entführt, und er bekommt ihn erst wieder, wenn er einen Mord begeht …
„SCHILF ist die virtuose Präsentation erstaunlicher Erzählkunst. Andere Autoren würden mit einer solchen Ladung baden gehen. Juli Zeh steuert sie souverän und leicht, sogar mit Witz in den Hafen.“ (Welt am Sonntag)

 

 

 

Gerald Reischl: Die Google-Falle

Google_FalleMit der Suchmaschine Google, den Satellitenkarten auf Google Maps, mit der Volltextsuche in Google Books, mit dem Bildprogramm Picasa, dem Mail-Programm Google Mail, Google Docs und vielen weiteren Services entwickelt sich die Firma von Larry Page und Sergej Brin zur unkontrollierten Weltmacht im Internet: Immer mehr Firmen entwickeln Dienste und Geräte, die ausschließlich auf Google abgestimmt sind. Praktisch zählt nur mehr das Wissen, das man über Google findet.

 

 

 

Das Vermächtnis (2 DVDs)

image_erinnern_listIn der Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus stehen wir derzeit an einer wichtigen Schwelle: Immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind noch am Leben oder können befragt werden. Die vorhandenen Aufzeichnungen ihrer Erinnerungen erhalten somit immer größeren Wert.

 

 

 

Heinz Oberhummer: Kann das alles Zufall sein?

ZufallDas moderne Bild des Universums ist grandioser, als man es sich jemals auch nur annähernd vorstellen konnte. Aber je mehr wir über das Universum erfahren, umso mehr Geheimnisse tun sich auf. Was ist die rätselhafte Dunkle Materie und die noch mysteriösere Dunkle Energie? Wie nahe sind wir einer „Weltformel“ auf der Spur? Warum ist die Inflation die leistungsfähigste Theorie des Universums? Was war eigentlich vor dem Urknall? Warum sind die Sterne für unser Leben unabdingbar? Was ist die Ungeziefertheorie? Warum ist es unserer Generation vorbehalten, dass wir Leben außerhalb der Erde entdecken? Erfahren Sie mehr über die aufregendste Entdeckung der modernen Naturwissenschaft. Unser Universum ist offensichtlich genau darauf abgestimmt, dass Leben möglich ist. Welche naturwissenschaftlichen, philosophischen als auch religiösen Erklärungen gibt es für diese überraschende Erkenntnis? Kann das alles Zufall sein?

 

Franzobels großer Fußballtest

FuXballtest_groXIst Österreich reif für die Europameisterschaft? Franzobel steigt hinab in die Niederungen des österreichischen Fußballs und erkundet die Regionalliga ebenso wie die Nationalmannschaft. Er geht der Frage nach, was sich über den Umweg Fußball zu Land und Leuten sagen lässt. Eine Wurstsemmel-Evaluierung der Fußball-Buffets fehlt dabei ebenso wenig wie eine detaillierte Erklärung der spezifisch österreichischen Fußballausdrücke (Scheiberlgspül, Wuchtel, Outwachler, etc.): Es geht um Nummern, Spielerfrauen, Platzwarte. Er fragt sich, ob alle Spieler nach ihrer Karriere Tankstellenpächter werden (nein, einige sind Trafikanten) und was Menschen dazu treibt, Schiedsrichter zu werden. Fußball also als Anstoß für Alltagsphilosophie. Ein Muss für alle, die Fußball gar nicht interessiert. Für alle anderen sowieso.

 

 

Egyd Gstättner: Feine Fallrückzieher

FallrueckzieherWas ist Abseits wirklich und wie erkläre ich es meiner Frau? Wie verliere ich richtig? Wie stehe ich im Mittelfeld zu weit weg vom Mann und bin in Gedanken noch in der Kabine? Wie erkläre ich Niederlagen schon bevor sie überhaupt stattgefunden haben? Wie finde ich mich mittels Mannschaftsaufstellungen in Europa zurecht? Wie zieht man sich in Liechtenstein am besten aus der Affaire, wie in Polen, wie in Schottland? Wie begegnet man einem Duschschlapfenföner? Und warum ist das Verhältnis zwischen Österreich und Deutschland noch immer prekär? Egyd Gstättner, österreichischer Schriftsteller und bekennender Fußballanhänger, erhebt den Fallrückzieher zum literarischen Genre, trifft den Ball, den Punkt, die Sache oder den Gegner an einer Stelle, an der es niemand vermuten würde, und beantwortet auf höchst überraschende und lustvolle Weise die wirklich wichtigen Fragen der Zeit vor der EURO im eigenen Land.

 

 

Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind

NordwindSchon mal Angst gehabt, dass sich in eine sehr private E-Mail ein klitzekleiner Fehler einschleicht – und plötzlich ein völlig Fremder die Nachricht bekommt? Emmi Rothner passiert das genaue Gegenteil. Eigentlich will sie nur ein Zeitschriftenabo kündigen. Doch durch einen Tippfehler landet die E-Mail bei Leo Leike, und zwischen den beiden entflammt ein zunächst zaghafter, mit der Zeit immer leidenschaftlicher Onlineflirt. Daniel Glattauer erfasst den besonderen Zauber, den der Briefwechsel mit einer fremden Person auslösen kann, die reizvolle Mischung aus totaler Distanz und unverbindlicher Intimität.

 

 

Sibylle Berg: Die Fahrt

DieXFahrtGetrieben sind sie alle, die Figuren in Sibylle Bergs neuem Buch, einem Reiseroman. Ruhelos fahren die einen an exotische Orte, auf der Suche nach einem kleinen bisschen Glück. Oder Sinn oder Abwechslung. Hauptsache, etwas passiert. Die anderen haben keine Wahl und müssen bleiben, wo sie sind. Wo auf der Welt kann der der Mensch glücklich sein? Heimat gibts nicht mehr. Heimat ist für Menschen, die in Bergdörfern aufgewachsen sind, dort wo man alle kennt, auch die Tiere und wo man statt ins Kino Sonnenuntergang schauen geht. Für alle anderen, also für die meisten, stellt sich die Frage immer wieder neu: gehen oder bleiben? Bleibe ich in meinem blöden Berliner Leben hocken oder suche ich das Glück in Sri Lanka, Rio de Janeiro, Shanghai oder Tel Aviv? Die Figuren in Sibylle Bergs Roman machen sich auf die Reise. Glückssucher sind sie alle. Nur was sie zu ihrem Glück brauchen, ist höchst unterschiedlich.

 

 

Peter Schaar: Das Ende der Privatsphäre

PrivatsphaereDie rasante Entwicklung der Informationstechnologien geht einher mit einem wachsenden Kontrollbedürfnis. Peter Schaar warnt vor der Tendenz, den Einzelnen als Risikofaktor zu betrachten, der beobachtet, registriert und bewertet werden muss. Er skizziert, wie sich demokratische Staaten aus Angst vor Angriffen von außen und vor den eigenen Bürgern zu Überwachungsgesellschaften entwickeln. Ohne unser Wissen werden immer mehr Daten von uns im Internet gesammelt, zu »Profilen« verarbeitet und zu wirtschaftlichen und Informationszwecken ausgewertet. Passdaten sollen weitergegeben werden, private PCs werden von Geheimdiensten durchsucht.

 

 

Stefan Ruzowitzky: Die Fälscher (DVD)

FaelscherBerlin 1936: Für Salomon Sorowitsch ist das Leben ein Spiel, und das dazu notwendige Geld druckt der König der Geldfälscher sich selbst. Doch dann wird er verhaftet und ins KZ Mauthausen gebracht. Als er 1944 nach Sachsenhausen überstellt wird, entwickelt er sich zu einer Schlüsselfigur eines groß angelegten Geldfälschungsbetriebes. Unterstützt durch handverlesene Profis, soll der Meisterfälscher ausländische Devisen in großem Stil drucken, um die Volkswirtschaft der alliierten Kriegsgegner zu treffen. Sorowitsch und seine Mit-Fälscher müssen sich die Frage stellen, ob sie mit ihren Henkern kooperieren und dadurch eine Verlängerung des Krieges oder gar einen Sieg der Deutschen unterstützen wollen. Sie würden – vielleicht – ihr eigenes Leben retten, das vieler Leidensgenossen jedoch aufs Spiel setzen.

 

 

Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer

Hemingway_alte_MannMit dem vorliegenden Werk erreichte Hemmingway einen Gipfel seiner Erzählkunst. In dieser Geschichte von dem alten Fischer, dem nach Monaten glückloser Ausfahrt endlich ein riesiger Fisch an die Angel geht und der diesen Fang seines Lebens in einem erschöpfenden Kampf wieder an das Meer und seine Haie verliert, durchdringen sich große Wirklichkeit und Symbol.Ernest Hemingway, 1899 als Sohn eines Arztes in Illinois (USA) geboren, ging 1921 als Journalist nach Europa und in den Nahen Osten. 1954 erhielt er für sein schriftstellerisches Werk den Nobelpreis für Literatur. Danach verbrachte er fünf Jahre in Paris. 1961 schied er nach schwerer Krankheit freiwillig aus dem Leben.

 

 

James Joyce: Ulysses

UlyssesDas Werk des genialen irischen Autors ist ein Abenteuer, in das sich jeder stürzen sollte. Der Roman spielt am 16. Juni 1904. Der Protagonist, Anzeigenakquisiteur Leopold Bloom, geht – wie sein Vorgänger Odysseus – auf die Reise. Allerdings dauert seine nur einen Tag und führt ihn nicht in die weite Welt, sondern in die Abenteuer des Dubliner Alltags. Hier trifft er die unterschiedlichsten Typen u.a. Daedalus, den jungen Lehrer und Schriftsteller, mit dem er am Abend in der Küche philosophiert, unter der Leine mit Mollys Schlüpfern. Molly ist Blooms nicht immer ganz treue Ehefrau. Sie kommt im Schlußkapitel zu Wort. Hier läßt Joyce sie ohne Punkt und Komma auf dem Strom ihres Bewußtseins dahingleiten und setzt damit in der Erzähltradition des 20. Jahrhunderts völlig neue Maßstäbe.